Roland

Crew in Deutschland

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Sameera Crew ist wieder in Deutschland, zunächst einmal bei der Großfamilie in Norddeutschland, die uns ein „warm welcome“ beschert hat.

IMG_7346-hochk

Und nach einer Woche dort geht es dann nach Hause Richtung München.

Mission completed – ein Jahr Segeln, Reisen und Weltkennenlernen ist vollbracht.

Rockets in Florida

Kurz nach dem Ablegen von unserem letzten Bahamas-Aufenthalt auf den Berry Islands in Richtung Orlando / USA sind unsere Gefühle schon sehr stark von Abschiedskummer geprägt: Die Etappe von den Bahamas nach Florida wird bis auf weiteres unser letztes Blauwassersegeln und Endetappe unserer 1-Jahres-Reise sein…. Wie wird sich das anfühlen, wieder an Land zu leben, wie gut wird es uns gelingen, diese besondere Zeit in den uns dann bald in Deutschland erwartenden Alltag einzuflechten? Wie sehr wird uns allen das Sameera-Leben, die intensive Zeit miteinander und das Meer fehlen?

P1070228-A und R Bugkorb-small   P1070246-Boys auf Heck-small

Aber wie das so ist beim Segeln, es bleibt gar nicht viel Zeit zum Trübsal blasen, denn der Golfstrom erwartet uns auf diesem Trip und mit ihm eine spezielle Erfahrung des Segelns: Das Wasser ist unglaublich tiefblau, noch viel blauer, als wir es erwartet haben, außerdem ist es warm und gleißend hell. Wir haben relativ wenig Wind, unser bunter Genakker, sonst großartiger Turbomotor in allen Lebenslagen, hängt kraftlos eher in als an seinen Leinen und raschelt vernehmlich. Das Mittagessen ist  schon eine Weile her, gespült ist immer noch nicht ganz fertig, und niemanden kümmert es. Wir sind der Welt entrückt, allein die immer wieder vorbeiziehenden Frachter und Kreuzfahrtschiffe bieten den Blicken Halt. Die Funksprüche der Küste Floridas nehmen wir nur am Rande wahr, alles läuft ruhig und entspannt, wir hängen unseren Gedanken nach und plaudern, lassen das eine oder andere Erlebnis der Reise revuepassieren. Aufruhr herrscht allenfalls, als ein Sportfischer mit seiner kräftigen Motoryacht so dicht an uns vorbeifährt, dass seine Heckwellen die aufgetürmten Teller und Töpfe scheppernd in unserer Küche verteilen (Okay okay: Klar-Schiff segelt es sich doch am besten…).

Dann wieder cruist SAMEERA träge in flachen Wellen. Und dennoch, der Blick auf unser GPS verrät es: wir sind mitnichten langsam unterwegs, sondern dank Golfstrom-Antrieb werden wir kräftigst angeschoben, wie in einem Fahrstuhl, der uns schneller als wir es wahrnehmen nach Orlando hebt.

Gabriel´s Lagebericht am 22.06. um 15:30: „Wir fahren mit 3 Knoten durchs Wasser, fahren 7 Knoten over ground, bei 7 Knoten wahrem Wind.- Man kann sich gar nicht vorstellen, dass wir eigentlich gerade durchkatapultiert werden!“

Die Geräte zeigen´s: 7 Knoten Fahrt über Grund bei 3 Knoten Fahrt im Wasser:

P1070235-Golfstrom-Special-small

Für die alten Seefahrer ohne Logge, GPS und kräftige Motoren als allzeit abrufbare Option muss das die Vorstufe der Hölle gewesen sein. Wie kann man die Konzentration wahren bei diesem Licht und dieser Hitze? Wie die Orientierung behalten, wenn die Abdrift schneller ist als die Fahrt durchs Wasser? Man kann schon verstehen, dass sich so mancher Seefahrer rund um das sogenannte „Bermuda-Dreieck“ um den Verstand gesegelt hat, da ihm das gleißende Licht und die verwirrende Strömung die Wahrnehmung trübten.

Die leidvollen Erfahrungen der ersten Seefahrer, den echten Abenteurern, sind für uns keine wirkliche Bedrohung mehr; wir konnten uns knapp dem Wahn entziehen – wenn auch wir die leicht paralysierende Wirkung dieser Gegend verspürt haben (Spülen? später… Funken? jaja…). Die  Satellitennavigation macht diesen Teil des Golfstroms für uns verständlich, ja wir können ihn vorteilhaft nutzen. Aber haben wir den Golfstrom insgesamt verstanden?

Unzählige Male hat jeder von uns im Atlas seine Windungen an der Oberfläche und in der Tiefe angesehen, immer noch nicht könnten wir es erklären. Wie es scheint, lässt er sich von  Klimawandel, Erderwärmung und Wahlergebnissen auf beiden Seiten des Atlantiks nicht aus der Ruhe bringen. Der Brexit und Donald Trump sind ihm egal. Der Humboldtstrom kämpft mit El Nino, die Passatwinde gegen die immer frecher werdenden Tiefdruckgebiete, nur der Golfstrom zieht weiter seine Bahn.  Sollte er gotterschaffen sein – ist Gott vielleicht ein Segler? Gar ein Segler aus England, der mit dem Wind nach Westen segeln und mit dem Strom pünktlich wieder zu Hause sein kann?

Ok, es wird Zeit, an Land zu gehen….

Am Vormittag des 23.06. landen wir in Cape Canaveral an und machen die Leinen am Steg der dortigen Cape Marina fest.

P1070248-Florida in Sicht-small

P1070261-Einlaufen nach Cape Caneveral-small

Wir kommen gerade rechtzeitig, um den Start der Falcon X Rakete – sozusagen vom ersten Rangplatz aus – zu beobachten (nicht ganz zufällig übrigens; wir hatten über Wochen die Terminverschiebungen des geplanten Raketen-Starts im Internet verfolgt und darauf gepokert, dass wir es so doch pünktlich zum tatsächlichen Start  schaffen würden – Glück gehabt also!). Dafür klettern wir auf das Dach der Sameera, machen es uns im Sitzsack gemütlich und starren in den Himmel.  Das Spektakel ist laut und schnell, aber der kleine, rasante Punkt am Himmel ist bei klarem Licht gut zu erkennen und der gigantische Kondensstreifen bleibt noch lange sichtbar. Was für ein Empfang – weit beeindruckender als Korkenknallen!

Suchbild Rakete:

Suchbild Rakete h

Kondensstreifen der Falcon X Rakete über der Sameera:

Raketenstart h

Die nächsten Tage sind wir dann gut damit beschäftigt, unser Hab und Gut von der Sameera zu räumen, in Boxen und Reisetaschen zu verpacken und das Schiff zur Übergabe an die Transfer-Crew vorzubereiten. Sie wird für uns die Sameera nach Europa zurücksegeln, während wir eine Rundreise durch Florida unternehmen und dann per Flugzeug nach Deutschland zurückreisen. Für diese Variante haben wir uns entschieden, da die Tour nach Europa – je nach Wetterlage – recht rau ausfallen kann, was wir insbesondere den Kindern – voran dem kleinsten – nicht zumuten wollten. Zudem ist die Dauer des Trips nach Europa nur sehr schwer kalkulierbar – da wir aber zu einem fixen Zeitpunkt (Roland´s Arbeitsbeginn) wieder in Deutschland sein müssen, entscheiden wir uns für die „planbare Variante“ per Flug.

Die Transer-Crew ist eine sympathische 4-Mann-Truppe, zusammengewürfelt aus Neuseeland, USA, England und Norwegen; erfahrene Skipper, die sich schnell und routiniert mit der Sameera vertraut machen (Briefing, Testsegeln etc.).  Nach erledigtem Räumen und Verproviantieren der Crew machen sie sich am 29.06. auf den Weg Richtung Europa (über Bermuda und Azoren). Wir 5 Kunerts winken unserer Sameera wehmütig hinterher….

P1070303-Sameera hinterherwinken-small

… und klettern sodann in das Wohnmobil, das wir uns für die Florida-Rundreise gemietet haben. Jetzt sind wir also wieder Landratten.

Womati Slider

Das  Wohnmobil hat amerikanische XXL-Dimensionen und – wie es sich für Amerika gehört – kann man das Mobil zusätzlich durch seitliche Slider extenden. Wow. Es bietet also reichlich Platz – und ist doch, wenn man es auf den Camp sites mit den anderen dort versammelten und üblichen Wohnkolossen vergleicht, ein relativer Winzling. Für uns passt´s – und mit Gaudium schaukeln wir damit über die Highways Floridas. Haben wir anfangs noch über die Klimaanlage gelächelt, sind wir spätestens nach der ersten glutheißen Nacht im Wohnmobil  zu treuen Anbetern dieses Equipments konvertiert. Es macht schon Sinn, dass die Hauptreisezeit für Florida nicht im Sommer liegt… Wer sich trotzdem innerhalb dieser Monate zu einer Floridareise hinreißen lässt, muss eben mit infernalischer Hitze und Mückenattacken rechnen…. und ist froh, wenn er sich davor ins wohltemperierte Wohnmobil retten kann.

im Womati

Spätestens hier ist uns aufgefallen, wie sehr wir das Leben an Bord vermissen: immer eine frische Brise um die Nase, immer die Möglichkeit, sich kurzerhand im Meerwasser zu erfrischen, keine Mücken an Bord, da sie vom Winde verweht werden… Wir müssen uns langsam entwöhnen…

Nun ja, es ist Juli – und wir erkunden Florida per Wohnmobil und ignorieren tapfer die Hitze. Das Kennedy Space Center ist erfreulicherweise klimatisiert – und mit Begeisterung stürzen wir uns in die Geschichte der Raumfahrt. Die Apollo-Missionen, das Space-Shuttle-Programm, moderne Mars-Expeditionen und vieles mehr sind Themen, zu denen sich vor allem die Jungs einen lieben langen Tag mit Forschertrieb und Amüsement austoben können.

AGLS vor Rakete hell  Astronauten sartkl 2

Wir waren ja sehr neugierig nicht nur aufs Land, sondern auch auf die Leute hier. Unser erster Eindruck ist, dass die meisten Menschen extrem freundlich und aufgeschlossen uns gegenüber sind. Das mag natürlich daran liegen, dass wir uns vornehmlich dort bewegen, wo wir auf Leute mit ähnlichem mindset und Interessen treffen (sprich die ersten Tage in der Marina; da findet sich immer und schnell ein Anknüpfungspunkt und Gelegenheit zum Plausch, unter Seglern allemal).

Aber auch auf dem Roadtrip sind wir immer wieder auf sehr freundliche Leute getroffen – auch wenn uns auf den Campsites das Hissen großformatiger Trump-Flaggen durch die Nachbarn um das eine und andere Mal doch irritiert hat.

Im Socializen sind Lorenz und Gabriel im Verlauf unserer Reise wahre Meister geworden (auch „unsere Außenminister“ genannt). Ein unverfängliches Gespräch übers Segeln und Angeln, und sie bringen uns auch mit Leuten ganz anderer Weltanschauungen und Couleur in Kontakt. Und so konnten wir mit Trump-Gegnern, die eine Isolation Amerikas und weltweite Destabilisierung befürchteten, als auch Trump-Fans, die in Trump einen gewieften Pokerspieler zu Amerikas Gunsten sehen, gleichermaßen ins Gespräch kommen. Natürlich waren wir nur eine kurze Zeit dort und haben nur einen minimalen Ausschnitt aus Kultur und Ansichten aufschnappen können. Das zu vertiefen, wäre sicher eine nächste Reise nach Amerika wert – nur bitte nicht im Hochsommer…  Aber bitte gern mit unseren Jungs, die so unbefangen auf ihr Gegenüber zugehen und Türen öffnen, wie wir Großen es oft leider schon nicht mehr tun.

Nach unserem Rundtrip mit Stationen in Key Largo (Rifftauchen):

Key Largo

Miami (Frost Science Museum und Miami Beach):

Miami

den wunderschönen Everglades (mit beachtlichen Mücken, Alligatoren und Manatis):

Everglades   Alligatoren   Manatee

St. Petersburg (mit surreal erbautem Dalí-Museum):

Dali Museum Treppe Dali Museum

und schlussendlich Orlando (hier früher Kaffee auf dem Campground):

Frühstück auf Campsite Orlando

verfrachteten wir unser Gepäck und uns in den Flieger.

Auf nach Europa – nach einem Jahr wunderbarer Eindrücke und Erlebnisse!

Prunk in Nassau und Abschied aus den Bahamas

Für die Erkundung der einsam-schönen Ragged Islands, Jumentos und der Exumas haben wir uns insgesamt mehr als einen Monat Zeit gegönnt und sind in die dortige Natur förmlich eingetaucht. Nach dem Besuch der „Bahamas-Schweine“ haben wir – auf James Bond´s bzw. Sean Connery´s Spuren – die Thunderball-Grotto vor Staniel Cay besucht.

P1060358-Grotte 1   Grotte 2

In dem Wasser dieser riesigen Naturhöhle mit viel Tageslicht, das durch ein Loch im Gestein des Deckengewölbes hereinscheint, leben unglaublich viele und sehr bunte Fische. Wenn nicht gerade ein Motorboot einen Schwung Gäste in diese Grotto entladen hat (denn die Thunderball-Grotto ist eine bekannte Touristenattraktion, so werden Touristen aus auch weiter entfernten Teilen der Bahamas hierher befördert), ist es wunderbar beschaulich darin und man kann in aller Ruhe „abtauchen“. Allerdings muss man die Gezeiten vor dem Eintauchen in die Grotte gut beachten, damit man auch problemlos wieder aus der Höhle heraustauchen kann, in der also schon James Bond seinen Martini gerührt hat.

Wardrick Cay:

P1200856-Sameera in Wardrick    P1200867-Wardrick-small

Severin bestaunt das Skelett eines vor Jahren hier gestrandeten Pottwals:

P1200879-Sevi vor Walskelett-small

Gabriel taucht gemeinsam mit einem Ammenhai an einem Schiffswrack:

P1200898-Gabriel beim Ammenhai-small

Nach kurzem Besuch des Naturparks „Exuma Land an Sea“ in Wardrick Cay hangelten wir uns weiter Richtung Norden bis nach Shroud Cay. Andere Segler hatten uns empfohlen, dort mit dem Dinghy durch einen mangrovengesäumten Salzwasserfluss bis an die andere Uferseite der kleinen Insel zu schippern, weil man von dort einen sagenhaften Blick auf den Atlantik habe. Unsere Jungs waren anfänglich nur zäh zu diesem Vorhaben zu motivieren, da sie meinten, ja inzwischen schon wirklich vielmals den Atlantik gesehen zu haben… Wohl wahr. Aber Gott sei Dank sind sie doch mitgekommen! Denn erstens hatte das Durchqueren des Mangrovenflusses echtes Amazonasfeeling und zweitens – der Blick, der sich am Ende des Flusses vor uns auftat, war tatsächlich absolut prospektreif! Weißer Strand, wilde Felsformationen mit kleinen türkisen Tümpeln, dahinter türkises Plätscherwasser und dann der tiefblaue, rauschende Atlantik. Da musste man sich einfach in die Wellen stürzen!

P1200999-3 Jungs in Shroud-small  P1200985-Shroud 1-small

Weiter ging´s nach Nassau, der Hauptstadt der Bahamas auf Providence.

Hier kristallisiert sich auf Meilen hin weit sichtbar der für die Bahamas legendäre Luxus, der zu nicht geringem Ausmaß der laxen Banken-und Steuerpolitik der Bahamas zugeschrieben wird. Prachtvolle Villen liegen an den exklusiven Stränden, imposante Hochhäuser und Resort-Anlagen gruppieren sich um die Hafendurchfahrt – und als Inbegriff von Saus und Braus ist das riesige rosafarbene Hotel „Atlantis“ im Zuckerbäckerstil mit Delfin-gekrönten Säulen und Türmchen schon aus großer Entfernung zu erkennen. Das alles steht in so krassem Kontrast zu den unberührten und einsamen Inseln der Bahamas, die wir bislang besucht haben, und auch zu den eher kärglichen Wohnverhältnissen und Umständen, in denen die meisten Bahamianer leben.

P1070008-Nassau-small  P1070015-Nassau Atlantis-small

Nachdem wir die Sameera vor einer der schicken Ufervillen geankert hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hotel Atlantis auf Paradise Island. Unser Plan war, uns auf das Gelände zu schleichen, um den Prachtbau mit Riesen-Spaßrutschen durch Riesenaquarien und Riesencasino einmal aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen. Das Einschleichen klappte überraschend mühelos – und vor uns tat sich eine Welt auf, die selbst König Ludwig XIV. zu maßlosem Staunen gebracht und mit Neid erfüllt hätte. Wir jedenfalls haben uns gefühlt wie „der Bauer im Königsschloss“! Unfassbar, in welchen Dimensionen diese gesamte Anlage entworfen wurde, durch welch gigantische Hallen und Gänge man lustwandelt und wie an jeder Ecke neue Überraschungen aufwarten. Der Inbegriff von „think big“! Wie ist das möglich, dass solch ein Protz und Prunk gelebt werden kann?!

Atlantis Aussen 1    Atlantis Gewölbe  Atlantis Saal

Mittendrinuntendrunterundaußenrum verläuft ein giganteskes Aquarium, dessen Fische die Gäste im Speisesaal umschweben und das man auch durch im Kellergewölbe verlaufende Gänge aus betrachten kann. Sealife ist ein Klacks dagegen.

Aquarium Atlantis

Blick in den Speisesaal mit Aquarien:

Atllantis Speisesaal

Eine idealisierte Beachkulisse umgibt das kolossale Hotelgebäude.

Atlantis Seepferd

Alles ist groß. Sevi verschwindet förmlich in einem Thron:

Atlantis Sevi Thron

Selbst Lorenz und Gabriel wirken plötzlich winzig:

Atlantis L und G Pokal   Atlantis Wohnzimmer

Luxusboutiquen und ein bombastisches Casino runden den Spaß des Hotelgastes ab:

Atlantis Casino   Atlantis Casino 2

Abendstimmung in der zur Anlage gehörigen Marina:

Atlantis Abendstimmung

Nach diesem Ausflug in den beeindruckenden Luxus Nassaus haben wir uns aber schnell wieder auf ein einsames Inselgrüppchen zurückgezogen, die Berry Islands. Irgendwie hat uns Nassau irritiert, die beschauliche Natur hier tut der Seele wohler.

Vorher, nämlich beim Auslaufen aus Nassau, wartete allerdings noch einen aufreibender Nervenkitzel auf uns: das Unterqueren der Paradise Bridge.

P1060513-Sameera vor Paradise bridge-small  P1060500-Sameera unter Paradise bridge-small

Geschafft! Nun können wir also mit Sicherheit sagen, dass die Gesamthöhe der Sameera 69 Fuß ( = 21,8 m) nicht überschreitet.

Die Crew mit leicht schlotternden Nervenkostümen:

P1060524-Paradise bridge-small

(Natürlich wussten wir schon vorher, dass die Sameera unter dieser Brücke hindurchpasst – aber im entscheidenden Moment und mit Blick in die Mastspitze wird man – zugegeben – dann doch intuitiv nervös: „Was, wenn die Maße nicht korrekt angeben waren?!?!?“)

Zurück in die Natur:

P1200799-3 Jungs Staniel Cay Beach-small

Ausgelassen genießen wir die letzten Tage unseres Bahamas-Aufenthaltes.

Auf die Plätze – fertig …..

P1070125-3 Jungs bereiten Sprung vor-small

… los!

P1070126-3 Jumps-small

Severin und Roland üben sich im Hecht-Sprung:

P1070147-Sevi Jump-small   P1070152-Papa der Hecht-small

Wir hätten hier, auf den Bahamas, noch viel mehr Zeit verbringen können und mögen, denn es gibt noch unendlich viele weitere den Bahamas zugehörige Inselketten und Cays …. – für´s nächste Mal…!

Neben dem reinen Spaß und Genuss bietet unsere Reise auch zahlreiche Denkanstöße und Möglichkeiten, sich mit Themen wie Klimawandel, Gerechtigkeit, Leistungsgesellschaft, Politik, Motivatoren und Motiven auseinanderzusetzen. Das ist eines der prägenden Elemente unserer Reise: dass wir hier ausreichend Zeit und Muße finden, auch mit unseren Kindern ausführlich über solche Dinge zu diskutieren.

Leider haben uns sehr traurige, persönliche Nachrichten von Freunden aus Deutschland erreicht, die uns sehr ans Herz gehen und zu Demut mahnen. Dass wir unser Abenteuer so erleben durften und dürfen. Und dass wir alle gesund sind…

So nehmen wir mit Wehmut Abschied aus den Bahamas, seiner Abgeschiedenheit, der idyllischen, türkisgefärbten Natur und dem sagenhaften Sternenhimmel, den wir so als unendliches Lichtermeer wohl lange nicht mehr zu Gesicht bekommen werden. Sterne bis zur Meereskante; über und über ist der Himmel übersäht von Millionen von Lichtpunkten – das ist im wahrsten Sinne „Wunder-schön“ und gehört mit zu den eindrücklichsten Bildern, die wir von unserer Reise mitnehmen werden.

Kurz bevor die Sterne aufgehen:

P1060924-Sonnenuntergang Wardrick-small

Doch unsere Reise führt uns weiter, unser nächstes Ziel heißt bereits Cape Canaveral in den USA, wo wir in schon einer Woche unsere Sameera an „Andrew und sein Team“ übergeben werden, das wir beauftragt haben, die Sameera für uns nach Europa zurück zu segeln. Das bedeutet, dass wir zuvor das Schiff komplett ausräumen und ein paar Kartons packen, die wir nach Deutschland schicken (Schulbücher!) und natürlich unsere 5 Reisetaschen. Wenn wir dann unserer Sameera hinterher gewunken haben (mit wahrscheinlich Tränchen in den Augen), werden wir samt jener Reisetaschen in ein gemietetes Wohnmobil steigen und noch zweieinhalb Wochen lang einen „Roadtrip“ durch Florida machen.

Den USA nähern wir uns definitiv mit gemischten Gefühlen an – zum einen, weil dort unsere Segelreise enden wird. Zum anderen aber wegen der Frage, die uns schon lange bewegt: wer das sein mag, die einen Mann wählen und ihm zujubeln, der wie ein Elefant im Porzellanladen durch die Geschichte trumpelt? Schon als wir zu unserer Atlantiküberquerung aufbrachen (am 9.11.16), lag uns das folgenschwere Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl, das wir gerade noch aus dem Internet aufgeschnappt hatten, schockartig und schwer im Magen, sodass lange Zeit nicht klar war, ob uns die ersten drei Tage des Crossings wirklich die meterhohen Wellen oder doch das Wahlergebnis massive Übelkeit verursachten. Auf unserer bisherigen Reise haben wir auch eine ganze Reihe Amerikaner kennengelernt. Und bislang haben alle sich von Trump deutlich distanziert und sich eher peinlich berührt bis entsetzt über die Stilblüten und Demolagen ihres Präsidenten geäußert. Aber das kann ja nicht die einzige Position der Amerikaner sein. Wie ein Schisma zwischen Befürwortern und Ablehnern trennen sich die Wahrnehmungen der politischen Realität, so wirkt es auf uns aus der „ausländischen Perspektive“. Die Spannung wächst also, wie sich das im US-Alltag darstellt – und wieviel wir davon werden spüren können.

Sameera auf Fahrt:

Sameera Schmetterling Linse-small

 

Allerlei los unterm Boot

Dass wir keine Person aus Kuba herausschmuggeln konnten, war ja nun von offizieller Seite sichergestellt worden. Dafür aber, so stellten wir beim ersten Tauchgang nach Ankunft auf den Ragged Islands fest, hatte sich ein ausreisewilliger Remorafisch an unser Unterwasserschiff geheftet, um mitzureisen. Mittels einer Saugplatte, die sich aus einer Rückenflosse gebildet hat, saugen sich die Remoras an größere Fische, z.B. Haie oder Meeressäuger an, um mitgenommen zu werden und ihren Schutz zu genießen. Und manchmal eben auch an Schiffsrümpfe, wovon schon Aristoteles berichtet haben soll (sagt Wikpedia) und weshalb sie auch Schiffshalterfisch genannt werden.

P1200419-Pilotfisch unter Sameera-klein

Von Kuba aus ist es eine Tagesreise bis zu den den Bahamas zugehörigen Ragged Islands – frei übersetzt heißt das so viel wie „die Fetzeninseln“ – und das beschreibt es auch schon ziemlich genau: unzählbar viele kleine unbewohnte Inseln und Inselchen („Cays“), die meisten nicht viel mehr als ein paar hingekrümelte Felsbrocken im großen Atlantik, in einer ca. 35 Meilen langen Kette aneinander gereiht. Die Durchschlupfe zwischen diesen Inseln sind oftmals zu schmal oder zu flach, als dass man mit dem Schiff hindurchfahren könnte, nur einige sogenannte „Cuts“ sind dafür geeignet. Insgesamt ist es in der gesamten Bahamas-Region von besonderer Bedeutsamkeit, sich mit den Seekarten intensivst auseinander gesetzt zu haben.  Denn westlich der Bahamas-Inselketten befinden sich jeweils sogenannte „banks“, also gewaltig große und gewaltig flache Areale, in denen die Wassertiefe zwischen 8 und 1 Meter Wassertiefe variiert. Dieses Fahrtgebiet ist also von sich aus schon nur für Schiffe mit wenig Tiefgang geeignet (ideales Katamaran- Revier!), an vielen Stellen ist es aber sogar für diese zu flach, Stellen also, um die man herummanövrieren oder auf die Ostseite der Inseln mit tiefem Gewässer ausweichen muss. Segeln in dieser Region sollte man tunlichst bei Tageslicht, möglichst mit „Eyeball-Navigation“, also mit jemandem am Schiffsbug, der aufmerksam nach Untiefen und Korallenköpfen Ausschau hält.  Oder auch nach Wrackresten.

Eyeball-Navigation auf den Exuma Banks:

P1060786-eyeball navigation-klein

Nach unserem bereits vor Martinique absolvierten Auflaufabenteuer sind wir inzwischen recht routinierte „Flachwassersegler“ geworden. Auch beim Ankermanöver sollte man Bedacht walten lassen und beispielsweise den hier ausgeprägten Tidenhub mit einberechnen, der bei falscher Berechnung das Schiff zum Aufsitzen bringen kann.

Gott sei Dank exakt berechnet: Sameera vor Anker mit verbleibenden Zentimetern Wasser unterm Kiel:

P1200402-Wasser unterm Kiel-klein

Das Ankern und Verweilen vor diesen Inselchen ist absolut lohnenswert: das Meer ist ruhig,  das Wasser helltürkis und unfasslich klar, es herrscht meilenweite Einsamkeit. Es gibt auch erstaunlich wenige andere Segler, die sich hierher verirren, was einerseits daran liegt, dass wir uns dem Saisonende annähern, andererseits an der Versorgungssituation. Es gibt hier natürlich weit und breit kein einziges Geschäft, sodass man nur mit guter Proviantierung und möglichst autarker Frischwasserversorgung den Besuch der Ragged Islands und weiten Teilen der weiter nördlich gelegenen Exumas genießen kann. Erst in Goergetown gibt es wieder Geschäfte.

Wir haben dank Watermaker, Freeezer und tiefen Bilgen an Bord gut vorgesorgt und können daher die „Einsamkeit in Türkis“ vollends auskosten.

Water Cay auf Ragged Islands:

P1060749-ragged island-klein

Sevi mit Sameera im Hintergrund:

P1200517-Sevi vor Sameera-klein

P1060852-Sameera am Copperfield-Strand-klein

Was macht man hier den ganzen Tag? Nun, uns wird es eigentlich nie fad, alle fünf sind wir ausgesprochene Wasserratten und können über Stunden im Wasser herumsquapsen. Seit ihrem Freitauchlehrgang in Guadeloupe sind Lorenz, Gabriel und Roland schon gar nicht mehr aus dem Wasser rauszuholen und jagen leidenschaftlich die Riffe ab auf der Suche nach Feuerfischen. (Wie berichtet: zu deren Jagd wird von offizieller Stelle aufgerufen, da sie als Fremdlinge ohne natürliche Feinde sind und die hiesigen Riffe leerfressen und somit bedrohen.) Zudem strukturiert das Schulprogramm der Jungs unseren Bordalltag – das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und im Endspurtfieber arbeiten Lorenz und Gabriel die Berge von zu absolvierenden Lehrmaterialien und Schulaufgaben ab. Einer der Erwachsenen ist derweil als Lehrer, Motivator und Disziplinarbevollmächtigter eingespannt, während der andere mit Severin spielt, malt, bastelt und / oder das Schiff in Schuss hält. Auch Essen ist bekanntermaßen eine Kunert-Leidenschaft, die samt Vor- und Nachbereitung gut beschäftigt. Die Nachmittage sind meistens schulfrei: jede Menge Zeit also zum Lesen, Baden, Tauchen, Landausflüge unternehmen etc. Abends sitzen wir meistens ausgiebig an Deck plaudernd nach dem Abendessen zusammen, manchmal gibt´s Filmabende mit DVDs. Hin und wieder treffen wir uns mit anderen Seglern auf den traditionellen „Sundowner“ und Austausch von Seemannsgarn. Die Tage enden meist viel früher, als in Deutschland – die Sonne, hohe Temperaturen und viele Draußenaktivitäten machen sehr müde!

Lorenz auf Feuerfisch-Jagd mit einem speziellen dreispitzigen Speer (Hawaian Sling); hier mit frisch erlegtem Feuerfisch:

P1200456-Lorenz mit Lionfish am pole-klein

Severin hält die Szene zeichnerisch fest:  „Lorenz speert den Lionfish, Mama fotografiert das Ganze“:

P1200474-lionfishshot Sevi Zeichnung-klein

Gabriel pirscht nach Feuerfischen:

P1060046-G mit pole 4-klein

Severin beim Wracktauchen:

P1200720-Sevi taucht am Wrack-klein

Landausflug auf Stocking Island mit Totems und Summerwinds:

P1060094-Erwachsene am Strand-klein   P1060088-kids am Strand-klein

Ganz ohne Frage: im Meer herrscht ein großes Fressen und Gefressen-Werden, wie wir im kleinen Biotop selbst schon haben beobachten können: Sevi liebt es, abends auf unseren beiden Heckplattformen zu hocken und zu beobachten, welche Fische und Tierlein durch das grünliche Unterwasserlicht der Sameera angezogen werden. Fachmännisch schlenkert er seinen blauen Casher durchs Wasser und ist dabei ein überraschend erfolgreicher Jäger geworden. In einem Wassereimer sammelt er regelmäßig seine Beute: Fischlein, Mini-Seeschlangen, Krabben und Krebse. Mit Grausen lässt sich dann in seinem Eimer beobachten, wer grad der stärkste ist. Meistens sind es die Krebse, die sich unverzagt alles einverleiben, was da im Eimer herumschwimmt. Meist leeren wir – Severin´s Protesten zum Trotz – den Eimer aus, bevor das Massaker seinen Lauf nimmt.

Auch beim Angeln haben wir schon gelernt, dass im Wasser auch andere jagen und unsere Beute nicht unbedingt uns gehört. Wenn man einen Fisch an der Angel hat, sollte man schon allein deshalb schnell den Fang hereinholen, weil es nicht selten passiert, dass der Fisch an der Angel von hinterherschwimmenden Haien geschnappt oder zumindest dezimiert wird.

Bislang sind uns Haie nur in sehr tiefen Gewässern auf dem Ozean begegnet. In den Bahamas hingegen nimmt die Hai-Dichte merklich zu.  Auf den Ragged Islands vor Water Cay verguckte sich ein ca. 2 Meter großer Ammenhai in unsere Sameera und umkreiste über Stunden das Schiff, als fühle er sich als unser privates Haustier.

Nurseshark:

P1200496-nurseshark pet2-klein

Von Menschen im Wasser halten sich Haie aber üblicherweise entfernt oder zeigen sich zumindest desinteressiert. Ihr Interesse gilt definitiv kleineren Subjekten.

Grad vorgestern haben wir ein spannendes Schauspiel erlebt: Roland und Gabriel hatten soeben an einem tiefen Riff einen Feuerfisch erlegt. Dieser steckte noch an dem Dreizack des Speers und zappelte, als ein Schwarzspitzen-Riffhai sich von unten annäherte und Kreise unter Gabriel drehte, der den Speer in der Hand hielt. Mit den Flossen streifte Gabriel den Feuerfisch dann vom Speer, welcher sichtlich angeschlagen davontreidelte. In dem Moment eilte der Hai mit zackiger Bewegung auf den waidwunden, flottierenden Feuerfisch zu, schwamm zunächst an ihm vorbei, um im nächsten Moment in einer blitzartigen Bewegung sein Opfer zu schnappen und mit zwei Kaubewegungen sauber zu vertilgen. Der Pilotfisch an seinem Bauch schaute traurig „in die Röhre“. Danach tauchte der Hai in absolut ruhigen, geschmeidigen Bewegungen wieder in die Tiefe ab.

Der Schwarzspitzenriffhai mit Pilotfisch:

P1060185-shark mit Pilotfisch-klein

Wie immer hat man natürlich in solchen Situationen die Kamera nicht griffbereit gehabt. Aber unser emsiger Reise-Dokumentator Severin hat die Szene mal wieder zeichnerisch festgehalten:

Severin´s Hai-Zeichnung (entgegen Uhrzeigersinn zu lesen):

P1060195-Sevis Zeichnung Hai packt Lionfish-klein

Es gibt aber auch sehr viele ganz harmlose Unterwasser-Bewohner. Einer davon ist eine Meerjungfrau vor einem Klavier.

P1200674-mermaid Skulptur komplett-klein

Der treue und aufmerksame Leser unseres Logbuchs mag sich daran erinnern, dass wir schon zu Beginn unserer Reise vor Lanzarote nach von dem Künstler DeJason Taylor im Wasser versenkten Statuen getaucht haben. Genau dieser ist auch vom Zauberkünstler David Copperfield damit beauftragt worden, eine Skulptur vor einer seiner beiden Privatinseln auf den Exumas (Musha Cay / Rudder Cay) zu versenken. Es handelt sich dabei um eine zauberhafte Meerjungfrau, die sehnsüchtig dreinblickend neben einem Konzertflügel hockt, dessen Klavierhocker unbesetzt ist. Trotz starker Strömung, die einen förmlich vom Hocker riss, haben wir es nicht unversucht gelassen, der Meerjungfrau ein paar illusionäre Töne zu klimpern:

P1200694-Gabri pirscht sich an mermaid an-klein    P1060154-G A an mermaid-klein  P1200558-pianoman Lorenz-klein   P1200568-pianoman Roland-klein

Unter unserem Schiff entdecken wir auch immer wieder wunderschöne Stachelrochen. Sie durchstöbern dort den Sand nach Nahrung.  Wenn man dort taucht und selbst Sand aufwühlt, kommen sie voll Neugier näher, bremsen dann aber wieder ab, weil ihnen im letzten Moment offenbar einfällt, dass sie Menschen scheuen.

Stachelrochen:

P1200637-stingray-klein

Vor Georgetown auf den Exumas wohnen an einem Strand allerdings ganz erstaunlich zahme Rochen, die sich neugierig nähern und die Füße „beschnuppern“, sobald man eine Weile still am Ufer steht. Severin war sogar so mutig, dass er sich ins flache Wasser legte und die  Rochen dann auf seinem Bauch entlangschnuppern konnten. Er war begeistert über diese Begegnung auf Tuchfühlung!

Es passiert also jede Menge unterhalb der Wasserlinie – und wir lieben es, in diese Welt einzutauchen….

Goldiger Kugelfisch vor seiner Höhle:

P1050947-Kugelfisch 3-klein

Und last but not least gibt es hier noch schwimmende Schweine. Diese sind sozusagen zum Markenzeichen der Bahamas avanciert, da sie wirklich extrem possierlich sind, wie sie so im türkisen Wasser herumfloaten. Wir haben sie gestern besucht und ihnen einige Schiffsküchenreste (Kartoffelschalen, Karotten, Maiskolbenreste) mitgebracht, die sie leidenschaftlich schmatzend verdrückt haben. Besonders gierig haben sie sich auf das mitgebrachte Süßwasser gestürzt  – und zum Dank durften wir sie schubbern, kraulen und mit ihnen schwimmen.

Bahamas-Schweine in Big Major Spot Cay:

P1060236-curious pigs-klein    P1060334-swimming pigs-klein   P1060315-Schwimmen mit Schweinen-klein   P1060338-Schwein Schwalbe Sevi-klein

 

 

 

Cuba libre

Ja, alle Formalitäten für unsere Einreise nach Kuba haben ohne Probleme geklappt – und somit standen uns Tür und Tor offen, um zumindest einen kleinen Eindruck von Land und Leuten dieser größten aller Karibikinseln gewinnen zu können.

Eigentlich war die Immigrations- und Customs-Prozedur für Kuba die erste in unseren Augen wirklich seriöse, denn hier mussten wir nicht im entsprechenden Büro ein Sümmchen Geld auf den Tisch legen und endlose Formulare ausfüllen (wie in allen bisherigen Immigration-Offices der bisher bereisten Länder), um alle notwendigen Stempel und Permits zu erhalten. In Kuba indessen kam tatsächlich ein Arzt an Bord der Sameera und untersuchte die gesamte Crew, es kam ein Veterinär an Bord, um die von uns eingeführten Lebensmittel und lebenden Pflanzen (wir haben seit Lanzarote einen kleinen Kaktus an Bord, den wir heiligst pflegen) unter die Lupe zu nehmen und auf Krankheitserreger und Sporen hin zu kontrollieren, es kamen zwei Drogenspürhunde an Bord und durchschnüffelten unsere Kabinen und der Harbourmaster machte Fotos von jedem Crewmitglied, die wiederum mit den Passfotos verglichen wurden. Zu guter Letzt mussten wir auch hier Geld bezahlen, um die notwendigen Visa ausgestellt zu bekommen. Dann erst und endlich durften wir das Land betreten, auf das wir wirklich schon seeehr neugierig waren.

Ärtzliche Untersuchung an Bord:

Arzt an Bord aufr

Unseren ersten Ausflug unternahmen wir mit Taxifahrer Victor, der uns mit seinem beeindruckend riesigen Dodge, Baujahr 1956, von der Marina abholte und uns nach Guardalavaca beförderte. Allein diese Fahrt hatte schon so viel Esprit! Wie kleine Spielzeugmännchen verschwanden wir in den unglaublich riesigen Ledersitzen dieses Oldtimers. Laute kubanische  Rhythmen versuchten das Getöse aus dem 6-Zylinder-Mercedes Benz-Motor zu übertönen, während wir durch die Landschaft cruisten, die Nasenspitzen in den Fahrtwind reckend und nach den anderen Fahrzeugen Ausschau haltend. Viele davon sind kleine Pferdekutschen, die hier immer noch das Standard-Vehikel für den Kubaner darstellen.  Und natürlich gibt es immer wieder wahnsinnig schöne und kreativ instandgehaltene Oldtimer in leuchtenden Farben. In Zeiten der Handelsabkommen mit der Sowjetunion wurden Autos aus dem Ostblock eingeführt, sodass auch jede Menge Ladas und Kamaz-Lastwagen das Straßenbild prägen.

Taxi Dodge  Sevi Dodge Heck

Guardalavaca ist ein ausgewiesenes Touristenörtchen, mit Hotelanlagen für Ausländer, Kunsthandwerksmarkt und Flaniermeile an weißem Traumstrand. Uns war bewusst, dass unser Ausflug dorthin uns nur einen sehr verzerrten, artifiziellen Einblick in „Kuba“ geben würde, haben aber „zum Warmwerden“ die Landschaft und vor allem die wunderbaren alten Autos und Kutschen dort sehr genossen.
P1050777-Kutschentaxi-klein    P1050782-Parklätze-klein  P1050807-Marktvehikel-klein

Am nächsten Morgen dann das Kontrastprogramm: ein Besuch des lokalen Wochenmarktes in Santa Lucia, auf dem die Bauern der Umgebung ihr Obst, Gemüse, Hühner, Wurst und Frischfleisch feilbieten.  Kundschaft sind hier zu ungefähr 100% Kubaner. Dass Touristen sehr selten den Weg hier hinfinden, war allein schon daran zu merken, dass ausschließlich mit der nationalen Währung, dem CUP bezahlt wird und wir mit unserer Touristenwährung, dem CUC – Pesos convertibles – gar nichts anfangen konnten.  Freundlicherweise hatte uns der Taxifahrer vom Vortag CUC gegen CUP eingetauscht, sodass wir aber doch Obst und Gemüse für unsere Bordvorräte kaufen konnten.  Vom Fleisch, das auf den Marktständen für den europäischen Geschmack etwas krude dargeboten wurde, haben wir vorsichtshalber nichts erstanden. Vor allem die auf den Verkaufstischen dekorierten Schweineköpfe haben Severin fasziniert und ihm zugleich einen Schauer über den Rücken gejagt. Er war übrigens heilfroh, dass er sein Plüschtier, das Kuschelschwein „Beinsch“ an diesem Tag mal ausnahmsweise nicht mit auf den Ausflug mitgenommen hatte…..

P1050800-kein Beinsch-klein    P1050802-Fleischverkauf-klein

Gleichwohl haben wir uns auf diesem Markt sehr, sehr wohl gefühlt, denn alle Leute dort haben uns so überaus freundlich willkommen geheißen, hatten ein Lachen oder zumindest Lächeln auf den Lippen, auf dem Markt herrschte förmlich heitere Jahrmarktstimmung. Das ist uns allgemein in Kuba besonders aufgefallen: wie positiv und offenherzig die Menschen erscheinen und auf uns zugekommen sind.

P1050808-Obststand-klein   P1050803-Rauchpause-klein    P1050809-Hühnerverkauf-klein

Muttertag ist in Kuba ein ganz besonderer Tag, der nicht nur innerhalb der eigenen Familie gefeiert wird, sondern jede Mutter wird einfach von jedem mit Glückwünschen überhäuft.  Während eines Spazierganges in der Wohngegend nahe unserer Marina wurden wir von dieser Tradition völlig überrascht. Die Anwohner kamen aus ihren Häusern und Gärten gelaufen, um mir (offensichtlich Mutter, da ja mit 3 Jungs unterwegs) herzlich zu gratulieren und ein paar radebrechende Worte auszutauschen, uns wurden spontan und insistierend Mangos, Ananas und Kokosnüsse geschenkt, die wir kaum schafften, abzulehnen. Von einer Dame (Senora Ana) wurden wir kurzerhand zum Abendessen eingeladen, das sie mit ihrer Familie  zum Muttertagsfest im Garten feierte. Die Wohnverhältnisse waren karg, die Atmosphäre dafür umso herzlicher. Immer wieder durchzuckte mich der Gedanke, ob wir evtl. mit einem Hintergedanken eingeladen wurden – aber so sehr ich auch argwöhnte: es war davon nichts zu spüren! Auf meine Frage, wie wir uns bei ihnen bedanken könnten, kamen lange nur ablehnende Antworten. Erst nach weiterem Drängen meinerseits sagten sie dann, dass sie sich über ein Handtuch sehr freuen würden; ob wir dies wohl aus unserem Schiffshaushalt entbehren könnten…?

Familie Ana

Einen weiteren, etwas größeren Ausflug haben wir von der Nord-Küste aus bis nach Santiago de Cuba im Süd-Osten der Insel unternommen, der zweitgrößten Stadt Kubas nach Havanna. Da Mietwagenpreise auf Kuba horrend sind, haben wir die Strecke bis dorthin (ca. 150 km) mit einem Taxi – einem sehr kultigen und sehr klapprigen roten Chevrolet – zurückgelegt. Motor und Getriebe des Taxis waren diesmal so laut, dass von den lauten kubanischen Rhythmen aus dem Radio schier nichts zu hören war… Aber lustig war´s – und sicher viel authentischer, als wenn wir die Strecke mit einem modernen Kleinwagen zurückgelegt hätten.

P1000036-rotes Taxi-klein

Allein die Fahrt bis nach Santiago de Cuba haben wir als sehr aufschlussreich erlebt, denn unser Taxifahrer Kico hat uns auf dem Weg dorthin durch völlig untouristische Gegenden gefahren: vorbei an vielen kleinen palmgedeckten Hütten, was die übliche Unterkunft der Kubaner ist, aber auch durch größere Städte wie Holgúin mit Plattenbauten und vorbei an Kombinaten angeschlossenen Plattenbausiedlungen „im Nirgendwo“.

Wohnhaus Land       P1050862-Wohnhaus 1-klein

Che, Raúl und Fidel sind allgegenwärtig: immer und überall sieht man große Plakatwände, die mit sozialistischen kämpferischen Parolen aufwarten und / oder die Konterfeis der sozialistischen Größen zeigen. Dazu liegen jenseits der Straßenränder regelmäßig Findlinge unterschiedlichster Größe, die handbemalt ebenfalls sozialistische Ermunterungen vermitteln.

P1050857-Che Plakat-klein

P1050886-Plakate-klein

In Santiago angekommen, haben wir auch – unter Anleitung einer lokalen Stadtführerin,  Lianne – als erstes einmal das Grab des Maximo Liders besucht, der hier im November des vergangenen Jahres möglichst nahe bei seinen gefallenen Mitstreitern der revolutionären Kämpfe begraben wurde. Ein monumentaler Felsen (aus der revolutionären Kampfgegend der Sierra Maestra hierher gebracht) trägt schlicht die Aufschrift FIDEL.

Grabstätte des Maximo Lider:

P1000010-Fidel Grab 2-klein

Auf dem ansonsten mit weißem Marmor gestalteten Friedhof haben wir noch weitere Gräber der großen Nationalhelden Kubas besucht (José Marti, Manuel Céspedes) und Vorträgen unserer Stadtführerin über deren Verdienste für das Vaterland gelauscht. Als wir am Grab der Familie Bacardi (Rum!) vorbeikamen und ein paar Fragen zu ihrer Geschichte und Rolle für Kuba stellten, wurden die stadtführerischen Erläuterungen auffallend schmallippig, da Bacardi´s Abwanderung aus Kuba nach Amerika nach ihrer Enteignung ganz offensichtlich als nationaler Verrat gilt.  Eine andere Position dazu liest sich interessant – siehe Literaturhinweis unten.

Nach einem Mittagessen haben wir dann in Begleitung unserer Stadtführerin die Altstadt erkundet: die Kathedrale,

P1000057-catedrale-klein   P1000070-Catedrale innen-klein

das älteste erhaltene Haus Kubas (Casa Diego Velásquez), die Hafenbucht, Teile der Fußgängerzone und die Casa de la Trova (Haus der Begegnung), in dem täglich lokale Künstler ihre Musik darbieten.  Eine spontane künstlerische Darbietung, kombiniert aus Zauberei und Gesang, wurde auch für uns gegeben, als wir an der Casa de la Trova vorbeiflanierten.

Trovasänger aufr   P1000080-Casa de la Trova-klein

Am nächsten Tag (nach der Übernachtung in einer privaten Unterkunft, wie es in Kuba üblich ist) haben wir dann die Stadt auf eigene Faust erkundet und sind dabei in deutlich weniger repräsentative Gegenden gekommen. Santiago kämpft sichtlich gegen den baulichen Verfall – die weitaus meisten Häuser der Stadt sind vorrevolutionären Baujahres und haben durch den Zahn der Zeit und Hurricanes deutlich Schaden erlitten.

Straßenszene Santiago   P1050888-Wohnhaus-klein

Doch in der Planwirtschaft standen und stehen zu wenig oder sogar keine Materialien zu Verfügung, um die Häuser instand zu halten. Das macht Organisationstalent und Improvisation notwendig. Diese beiden Fähigkeiten sind in Kuba wohl lebenswichtig.

Die Tatsache, dass in Kuba mit zwei Währungen gehandelt wird, dem „Touristengeld CUC“ und dem relativ wertlosen nationalen Peso „CUP“, fördert unserem Eindruck nach in besonderem Maße eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Wer es schafft, an CUCs zu gelangen, zieht das große Los. Wer in der „CUP-Welt“ lebt, erleidet hingegen Mangel. Kubaner erhalten nach wie vor Lebensmittelzuweisungen -„raciones“  für Eier, Bohnen, Reis und weitere Grundnahrungsmittel aus den Kombinaten.  Die Zuteilungen sind jedoch so gering und schwer erhältlich, dass „organisiert“ werden muss. Mit dem nationalen Peso allerdings, der als Lohn an den arbeitenden Kubaner ausgezahlt wird,  ist kein Start zu machen. Nur mit dem CUC ist es möglich, Luxusgüter zu bezahlen, Baumaterialien zu erhandeln und in Supermärkten einzukaufen, deren Regale nicht leer sind. Diese heißen dann Luxussupermärkte.

Der aufblühende Tourismus in Kuba nach den gelockerten Einreisebestimmungen für Ausländer, die mühsam aufstrebende Wirtschaft des Landes kombiniert mit der seltsamen 2-Währungs-Politik scheinen eine gewaltige Herausforderung für Kuba zu sein, die die kubanische Gesellschaft in zwei Parallelwelten zu spalten droht.

Übrigens auch bei unserer Abreise aus Kuba wurden wieder extensive Kontrollen an unserem Boot vorgenommen, u.a. um auszuschließen, dass wir möglicherweise Personen ausschmuggeln könnten. Bis zu einem echten Cuba libre, welches wir den wunderbaren Menschen hier von Herzen wünschen, scheint es noch ein weiter Weg zu sein….

_______________________

Lesenswert: BACARDI – and the long fight for Cuba.
von Tom Gjelten, Penguin Vlg, ISBN 978 – 0 – 14 -311632-5

Spuren

Unglaublich, wenn ich mir meine Kinder anschaue: wie abgerockt ihre Klamotten inzwischen sind. Naja, wenn ich an uns Erwachsenen herunterschaue, ist das auch nicht wirklich besser…. Alle unsere Kleidungsstücke sind nach den mehr als 9 Monaten, die wir nun schon auf See leben, von der Sonne ausgeblichen, vom Salzwasser ausgewaschen, zum Teil zerlöchert – und überall finden sich die „Geheimzeichen aller Segler“: Rostspuren, die die unvermeidlich rostenden Wäscheklammern auf den auf der Reling zum Trocknen aufgehängten Kleidungsstücken hinterlassen.

Wenn ich mir das so anschaue, fällt mir aber auch auf, was für eine Leichtigkeit mit diesem Verlotterungszustand verbunden ist: herrlich, wie unendlich egal es hier ist, welche Klamotten in welchem Qualitätszustand man anhat. Eindeutig gilt hier: Kleider machen keine Leute.

Je näher der Juli rückt, umso mehr stellt sich natürlich die Frage: wie wird das sein, sich wieder in den Alltag in Deutschland einzusortieren? Was werden wir alle schmerzlich vermissen – über die unbekümmerte Garderobe samt Rostspuren hinaus – , wird es Dinge geben, an die wir uns so gar nicht mehr gewöhnen mögen? Was können wir von unserer Reise „mitnehmen“, welche Spuren in das Alltagsleben in Deutschland einbringen?

Für mich persönlich kann ich schon mit Sicherheit sagen, dass ich den allmorgendlichen Sprung ins kühle Meerwasser sehr vermissen werde… und das intensive Zusammenleben, die viele gemeinsame Zeit von uns fünfen an Bord. Zeit zum Lesen und Plaudern zu haben. Die täglichen spannenden Erlebnisse. Und Palmen.

Zugleich machen sich bei uns aber auch, so nach und nach, die ersten Anzeichen von Heimweh bemerkbar. Vor allem die kids reden zunehmend häufig über die Dinge, auf die sie sich schon freuen, wenn wir wieder in Deutschland sein werden. Sie phantasieren vom „köstlichen Braumeisterpfanderl“ aus dem Isarbräu, von unserem Apfelbaum im Vorgarten, der aktuell volle Blüte trägt (wie wir durch Fotos von zu Hause wissen), vom gemütlich Zusammensitzen vor dem Kamin, von den Großeltern, unserem Hund Luna und von ihren Freunden. Das ist für uns irgendwie ein sehr beruhigendes Gefühl, dass die Vorfreude auf zu Hause wächst, obwohl es doch hier, wo wir gerade sind, so durch und durch paradiesisch ist. Wie schwierig wäre es, wenn wir alle nur widerstrebend nach Deutschland zurückkehren würden…

Wenn ich hin und wieder Fotos von Freundinnen und Freunden per Whatsapp aus „der Heimat“ erhalte, freue ich mich riesig darüber: Fotos z.B. aus Südtirol, vom Strand in Wangerooge, den Düsseldorfer Kasematten, Alpenpanoramen, Ibiza und dem Berliner Tiergarten. Da wächst die Lust darauf, in naher Zukunft das alles wieder in der Nähe zu haben und vielleicht in zukünftigen Urlauben und Ausflügen das eine oder andere besuchen zu können.

Aber bis dahin ist es ja noch eine Weile; noch sind wir hier und können hier genießen. Nachdem wir die vergangenen zwei Wochen auf den Turks & Caicos (vor allem beeindruckend wegen der unendlich vielen Türkistöne und wunderschönen Tauchspots) und auf Great Inagua in den Bahamas (Herberge von ca. 50.000 Flamingos) verbracht haben, sind wir aktuell auf dem Weg nach Kuba. Seit Jahren ein Land unserer Träume!  Gerade habe ich Nachtwache – bei hellstem Vollmond fahren wir an der nördlichen Ostküste von Kuba entlang, um morgen vormittags in Puerto Vita auf Kuba anzulanden. In dem dortigen Port of Entry hoffen wir, alle Einreiseformalitäten gut über die Bühne zu kriegen, um dann Teile der Insel per Mietwagen zu erkunden.

Wir sind schon sehr gespannt!

 

Turks & Caicos

Nach einer recht ruppigen Überfahrt (2,5 Tage dauernd) vom Süden Puerto Ricos aus durch die Mona-Passage in Richtung Bahamas haben wir eine wunderbare „Zwischenstation“ gefunden, in der wir vor lauter Begeisterung über dieses Einland am Ende der Welt erst einmal 4 Tage geblieben sind. Unfassliche Türkistöne ringsherum – einfach wunderbar! Die Insel (Big Sand Cay) ist ausschließlich von Vögeln bewohnt, sonst nur Ruhe und Meeresrauschen!

Sameera in Türkis:

P1050626-Sameera in Türkis-klein

P1200203-Jungs in Türkis-klein  P1050617-Sevi supt vor Sameera-klein

Delfine auf der Passage:

P1200163-Delphine-klein

Von der Karibik gen Bahamas

Unsere Reise führt uns weiter gen Norden – und damit nun heraus aus der Karibik (dem karibischen Meer), gen Bahamas und dann weiter, so der Plan, bis nach Florida. Damit trennen sich nun die Wege von den meisten unserer „Segel-Freunde“, mit denen wir in den vergangenen Monaten regelmäßig Passagen gemeinsam verbracht haben. Einige von ihnen fahren gen Süden, um während der Hurricane-Saison ihr Schiff, zum Beispiel in Grenada, auszulagern und dann später weiterzureisen, andere haben ihre Reise schon abgeschlossen und lassen ihr Schiff zurück nach Europa, Australien etc. transportieren oder verkaufen es in der Karibik.

In den vergangenen Wochen haben wir uns also ausgiebig von unseren Freunden der Nelia, der Oysterbar, der Laridae und der Kattami verabschiedet, meistens haben wir noch ein paar gemeinsame Tage in schönen Buchten verbracht und gemeinsam geschnorchelt, Land-Ausflüge unternommen, gekocht, gespielt und ausgiebigst geplaudert (bei dem einen oder anderen Rum-Punch).

Nelia-kids und Severin auf der Sameera:

P1190648-Samelias an Deck-klein

Laridae und Sameera-kids im Dinghy:

P1060326-Laridaes und kids im Dinghy-klein

Mermaid Eliana zu Besuch an Bord der Sameera:

P1060349-mermaid Eliana-klein

Abschied:

P1190991-Abschied-klein

Karneval in Salinas (Puerto Rico) mit den Kattamis und Nomads:

P1200096-Karneval Ponce-klein   P1200103-Zuschauer in Salinas-klein   P1200109-Tänzer-klein

Jahrmarktstimmung in Salinas:

P1200058-kids mit Schlange-klein

Besonders traurig sind wir aber darüber, dass die befreundete Crew der Kirikou ihre Reise vorzeitig abbrechen musste. Ihr schönes Schiff wurde vor Saba – während die Familie auf Hiking-Tour unterwegs war – von einer Mooring abgerissen und auf die Felsen der Steilwand von Saba getrieben. Erst nach 5 Tagen, während denen raues Wetter das Schiff auf die Felsen schlug, konnte ein Rettungsboot die Kirikou aus der misslichen Lage abschleppen. Das Schiff hat traurigerweise Totalschaden erlitten. Nachdem die Familie aus dem Schiff zu retten versucht hat, was ging, musste sie inzwischen zurückkehren in die Heimat. Wir drücken ihnen von Herzen die Daumen, dass sie ihren wunderbaren Optimismus bewahren, neue Pläne schmieden und vielleicht doch bald eine andere, neue gemeinsame Reise starten können!

Die Karibik gilt als der Inbegriff von Palmenstränden, klaren Gewässern und bunten Tauchrevieren. Und tatsächlich haben wir davon so einiges sehen und erleben dürfen! Was für eine außergewöhnlich schöne Zeit wir hier verbringen konnten! Dass aber die Bahamas und die etwas südlich davon gelegenen Exumas ebenfalls mit paradiesischen Eilanden und legendär türkisem, klaren Wasser locken, scheint weit weniger bekannt.

Uns wurde jedenfalls lebhaft und bildreich von anderen Seglern darüber berichtet – und so freuen wir uns auf dieses neue Segelrevier auf unserem Weg in Richtung USA. Wenn alles klappt und das Wetter mitspielt, wollen wir auf dieser Route auch einen Abstecher nach Cuba einplanen. Bis Mitte Juli haben wir ja noch Zeit und somit hoffentlich noch jede Menge neue Abenteuer vor uns!

 

 

 

 

Spanish Virgin Islands und Puerto Rico

Auf den Besuch von Oma Karla im März hatten sich insbesondere die Kinder schon allein deshalb so gefreut, weil die erste Woche des zweiwöchigen Besuches als gemeinsamer Aufenthalt in einem Hotel auf Tortola geplant war. Urlaub vom Urlaub sozusagen. Nach so langer Zeit auf dem Segelboot, auf dem der Raum naturbedingt begrenzt ist, war die Phantasie, in hallenartigen Räumen und quadratkilometergroßen Kingsize Betten schlafen zu können, für die kids total verlockend. Ansonsten haben sie in dieser Zeit den Swimmingpool eigentlich nur zu den Mahlzeiten und zum Schlafen (und gelegentlichen Ausflügen) verlassen. Ihr Daueraufenthalt in dem gechlorten Wasser führte dazu, dass ihre durch die Sonneneinwirkung der vergangenen Monate stark erblondeten Haare sich plötzlich grün verfärbten. Wie bei echten Wassermännern halt, konnten wir den leicht irritierten Severin beruhigen.

Unermüdlicher Wassermann-Turm:

image2

Happy:

P1190595-Oma da-klein

In der zweiten Woche waren dann aber alle wieder froh, auf die Sameera zurückzukehren, die doch für uns ein Stück schwimmende Heimat geworden ist. Die Lust, stets neue Ufer zu erkunden, teilt Oma Karla ja mit uns. Und so besuchten wir einige der zu den British Virgin Islands gehörenden Inseln (Peter Island, Jost van Dyke, Sandy Cay etc.), die allesamt so nah beieinander liegen, dass man beim Segeln zuweilen den Eindruck hat, man befinde sich auf einem großen See – Land soweit das Auge reicht. Die Jungferninseln stellen gerade deswegen ein beliebtes Segelrevier dar, weil man so problemlos und flott von einer Insel zur nächsten hoppen kann – und jede Insel ist schön, viele von ihnen mit traumhaften Tauch- und Schnorchel-Möglichkeiten. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass es zuweilen in den Buchten sehr voll und manchmal auch laut ist: die BVI scheinen eine munter frequentierte Partyzone für amerikanische Chartertouristen, von denen viele ihre Umgebung gern mit lauter Popmusik beschallen und allerorten den für die BVIs legendären „Painkiller“ konsumieren.

Da wir uns vorgenommen hatten, unser Crewmember Karla bis nach Puerto Rico zu bringen, von wo ihr Rückflug gen Deutschland starten sollte, ging es alsbald weiter gen Westen, über die Spanish Virgin Islands (Culebra, Vieques) bis zur Ostküste von Puerto Rico.

P1060139-Karla mittenmang an Bord-klein

Wie stark der mit dieser Westbewegung verbundene „Kultur-shift“ ist, hat uns sehr fasziniert: klar, es wird Spanisch gesprochen. Dazu erklingen überall lateinamerikanische Rhythmen, die Leute sind auffallend aufgeschlossen, freundlich und gesprächsfreudig. Vor allem das relativ dicht besiedelte Puerto Rico zeigt sich pulsierend und quirlig – es ist, wie in eine andere Welt zu plumpsen. Die extrem gechillte, manchmal schon provokant erscheinende layed-back Haltung mit obligater Bob-Marley Musik der südlicheren Karibik-Inseln mit meist spärlicher Infrastruktur steht im krassen Kontrast zu der aufgedrehten Vitalität, wie wir sie auf Puerto Rico erlebt haben.

Auch die amerikanischen Einflüsse sind hier nicht zu verkennen: man hätte den Kindern kaum ein prägnanteres Beispiel für den Begriff der „MacDonaldisierung“ bieten können. Wir haben in unserem Leben noch nicht so viele Fast-Food-Läden aller Couleur, einen an den anderen gereiht, gesehen, wie in den puerto-ricanischen Städten Fajardo und San Juan.

Gleichwohl gibt es auf Puerto Rico auch unendliche Weiten unbewohnter und tropisch-exotischer Landstriche und Küsten mit Bilderbuchstränden. Per Mietauto haben wir uns auf Erkundung begeben und den Inselstaat sehr genossen. Oma Karla mussten wir leider schon zeitig wieder „abliefern“ – wir danken Dir sehr für die schöne gemeinsame Zeit mit uns hier!

P1050228-Karla mit Jungs Strand JvD-klein

Dass Puerto Rico noch einiges mehr zu bieten hat, als einsame Strände, geschäftige Einkaufs-Malls, Fast-Food und Großstadtflair zeigte sich z.B. bei unserem Ausflug nach Arecibo im Nordwesten der Insel, wo sich das weltweit größte Weltraum-Observatorium zur Ionosphärenforschung in Form eines gigantischen Radioteleskops befindet.

Einige unter Euch können sich evtl. noch daran erinnern, dass es eine Zeit lang unter Studenten „in“ war, auf ihrem PC das Programm „SETI@home“ (Search for Extra-Terrestrial Intelligence) laufen zu lassen, das immer dann aus ebendiesem Arecibo zur Verfügung gestelltes Datenmaterial nach „Zeichen von Außerirdischen“ abgegrast hat, wenn der studentische PC grad im „Pausenmodus“ war – quasi ein Bildschirmschoner mit dem Ohr ins Universum.  Unsere studentischen PCs damals waren im Weltraum-Abhören jedenfalls sehr fleißig…. 🙂 – haben aber leider keine geheimen Botschaften entziffern können….

Neben diesem lustigen SETI-Projekt wird aber in Arecibo noch viel mehr Forschung betrieben, welche unter anderem 1993 den Nobelpreis für Physik eintrug. Es handelt sich bei dem Observatorium um eine Anlage, die 1960 von einigen absolut visionären Forschern (allen voran W.E. Gordon) initiiert und zwischen 1960-1963 inmitten des puerto-ricanischen Dschungels erbaut wurde. In einfachen Worten sammelt eine überdimensionierte, mit knapp 40.000 Aluminiumpaneelen ausgelegte „Schüssel“ mit mehr als 300 m Durchmesser Radiowellen aus dem Weltall ein, bündelt sie in einer darüber befindlichen, nach unten offenen Halbkugel mit Spezialantennen und Spiegelteleskop, dem sogenannten Gregory-Spiegelsystem. Anschließend werden die gesammelten Daten „durchmustert“.

P1050460-Arecibo Radioteleskop-klein    P1050469-Arecibo Reparatur-klein

Anwendung finden diese Daten in der Radioastronomie, in der u.a. ferne Sterne, Kometen und Pulsare untersucht werden, und in der Atmosphärenforschung (www.naic.edu). Pro Jahr wird ca. 200 Forschern aus aller Welt Zugang zu dem Teleskop und den Daten gewährt, die sich dann monatelang in das Gästehaus gleich nebenan einigeln und forschen.

Dem Observatorium angeschlossen ist ein kleines Besucherzentrum, das mit unterschiedlichsten Modellen und Versuchsanordnungen das Radioteleskop und die Forschungsinhalte veranschaulicht.

Krater-Experimente:

P1050442-Arecibo Krater formen G-klein

Severin „bedroht“ durch einen einst in Namibia eingeschlagenen Meteoriten:

P1050452-Arecibo Meteorit Sevi-klein

Planeten-Modelle:

P1050449-Arecibo Lorenz unter Planeten-klein

Hier haben wir Stunden verbracht – die Jungs haben sich begeistert und elegisch durch alle Exponate durchexperimentiert. Seitdem redet insbesondere Severin buntschillernd über Super-Novas, Pulsare, Planeten und  Außerirdische, was sich auch in seinen täglichen Zeichnungen anschaulich ausdrückt:

P1050492-Arecibo Sevi malt Planeten-klein

Uns hat tief beeindruckt, wie visionär und entschlossen die Handvoll  Forscher damals waren und bis heute sind, dass ein solches Projekt inmitten des puerto-ricanischen Dschungels realisiert und bis heute betrieben werden kann.

Nach unserem ausgiebigen Aufenthalt auf Puerto Rico haben wir uns dann aber wieder auf die deutlich ruhigeren Nachbarinseln Vieques und Culebra zurückgezogen, um in den Riffen zu schnorcheln, nächtlicher Bioluminiszenz nachzustellen und unseren Bootsalltag zu genießen. Dort haben wir auch unsere Freunde der Nelia verabschiedet, mit denen wir in den vergangenen Monaten viele unserer Ziele in „loser Assoziation“ gemeinsam angesteuert und erkundet haben. Sie werden ihr Schiff verkaufen und haben mit dem neuen Eigner eine Übergabe in der südlichen Karibik vereinbart.

„Offizielles Abschiedsfoto  Nelia / Sameera“:

P1050408-Abschiedsfoto mit Nelias

Wir hingegen werden weiter Richtung Norden / Nord-Westen reisen, um die Bahamas zu erkunden und unsere Reise in Florida abzuschließen. Ja, so langsam müssen wir leider schon an das Ende unserer großen Reise denken…. Und so haben wir uns entschlossen, die Sameera zum Verkauf anzubieten. Siehe http://www.sailing-sameera.de/sameera-for-sale/

Selbstverständlich hängt an diesem Schiff inzwischen viel „Herzblut“…. Wir hoffen sehr darauf, dass die Sameera einen neuen Besitzer findet, der die besonderen Eigenschaften dieses „Modern Vintage Boat“ zum absolut autarken Cruisen und entspannten Loungen auf dem super-geräumigen Deck so wie wir lieben wird….

DSC04816-cut  view from mast resize

P1020796-Abhängen-klein

 

Kaffee aus Puerto Rico

Das ist Kaffee aus Puerto Rico. Um es klar zu stellen: nicht nur der Kaffe ist aus Puerto Rico, auch die Milch und das Gas, mit dem wir ihn gekocht haben. Der beste Kaffee, den wir seit einiger Zeit getrunken haben.

Kaffeeadapter

Zuhause haben wir einen Elektroherd, aber manchmal habe ich mir dort einen Gasherd gewünscht. Auf der Sameera kochen wir mit Campinggas. Das gilt unter Seglern in Europa als vergleichsweise teure, dafür aber „deppensichere“ Art und Weise, diesen Brennstoff an Bord mitzuführen. Die typischen blauen Flaschen in Standard Größen gibt es in fast allen Ländern der Welt, oder sie werden unkomplizert befüllt. Ich würde nicht soweit gehen zu sagen, dass ich nur deswegen gerne auf der Sameera unterwegs bin, aber den morgendlichen Kaffee auf dem Gasherd zu kochen, das ist doch ein Stück Lebensqualität beim Segeln.

Auf unserer Segelreise überqueren wir Grenzen. Grenzen von Ländern, von Sprachen, eigene und bisweilen anderer Leute persönliche Grenzen. Für das Überqueren von Landesgrenzen mit dem Segelboot gibt es eigene Begriffe und Tätigkeiten: „Einklarieren“ beschreibt den Prozess des Anmeldens von Schiff und Crew in dem Land, über dessen Grenze man eben eingereist ist. Der Ablauf ist immer ähnlich: Der Skipper macht sich landfein und begibt sich nach der Einreise zum Zoll- und Immigrations Büro. Dort werden viele Daten aus den Schiffspapieren und Reisepässen in die ortsüblichen Formulare mit der ortsüblichen Anzahl von Durchschlägen – drei bis fünf- eingetragen, diese werden dann von Zoll- und danach Immigration-Offiziellen abgestempelt. Der Skipper unterschreibt die Kenntnisnahme der ortsüblichen Gesetze, zahlt den ortsüblichen Obolus, und erhält dafür das „Cruising Permit“, welches es erlaubt, in den Gewässern des Landes zu Segeln und zu Ankern.

Man kann sich gut auf diese Überquerungen vorbereiten, und sollte das auch tun: Die Grenzen sind klar in den Seekarten verzeichnet, die ortsüblichen Details lassen sich vorab im Internet recherchieren. Das ist ein beliebtes Gesprächsthema unter Seglern und kann die Reiseroute beeinflussen: „Wir fahren nicht nach XY, das Cruising Permit dort kostet ja über 300 US$“.  Oder: „für die paar Tage in YZ ist mir das Einklarieren dort zu aufwendig“.
Wir haben auch schon Einklariert, ohne alle Details im Vorfeld zu kennen.  Das funktioniert manchmal ganz gut. Die Offiziellen sind entgegen aller Gerüchte meist hilfsbereit und heutzetage auch nicht mehr auf das Bargeld schlecht informierter Segler aus.

Etwas besonderes ist jedoch das Einreisen in die Gewässer der USA. Die Vorbereitungen sind größer als bei jeder anderen Grenze. Monate vorher haben wir im Internet Formulare ausgefüllt, um die Visa zu beantragen. Waren auf Barbados in der US Botschaft für ein Interview, haben  unsere Pässe abgegeben und konnten sie erst nach einigen Tagen -inklusive der Visa- wieder abholen.

Und waren dennoch nervös, als wir von den Virgin Islands Richtung Puerto Rico segelten.  Auf Culebra wollten wir für die US-Gewässer Einklarieren. Am Tag vorher musste eine befreundete Crew Strafe zahlen und wurde wieder zurück geschickt, weil sie die falschen Visa hatten. Für uns aber hatten sich die vielen Stunden am Rechner gelohnt: Alles war korrekt, die Dame von CPR freundlich und hilfsbereit und das Cruising Permit nicht mal besonders teuer.

Wir hatten es geschafft, diese Grenze zu überqueren. Nach einigen entspannten Tagen auf Culebra segelten wir weiter nach Fajardo. Zeit, unsere Essensvorräte mal wieder richtig aufzufüllen, hier gibt es Infrastruktur, ein Mietauto muss her. Einfach umherfahren, Land und Leute erkunden, das gefällt uns hier richtig gut: Alle sind freundlich, sprechen verständliches Spanisch und, falls unser Spanisch nicht reicht, auch noch Englisch. Dazu läuft als Soundtrack ständig coole Latino-Musik.
Das Angebot in den Supermärkten ist sensationell, von jedem Ausflug bringen wir Vorräte mit und bunkern sie in der Sameera. Und scheinbar kochen hier alle mit Gas! Uns fällt auf, dass die LPG Flaschen hier allgegenwärtig sind. Auf PickUps und Lastern werden sie ausgeliefert, hinter jedem Haus und jedem Restaurant gibt es einen kleinen Anbau dafür. Während eines halben Tages fahren wir bei mindestens drei Gashändlern vorbei.  An einem der nächsten Tage werden wir also unsere blauen Flaschen im Auto mitnehmen, um auch die Gasvorräte aufzufüllen.

Wir haben nicht alle Grenzen im Voraus erkannt. Manche haben wir nur geahnt, davon gehört, aber es versäumt die Konsequenzen für die eigene Crew zu prüfen. Und sie dann wieder vergessen. So lernen wir die Campinggaz-Grenze kennen. Klar, Puerto Rico gehört zu den USA, hier ist LPG Propan, es gibt andere Flaschen, andere Gewinde für die Befüllstutzen und vor allem: kein Campinggas.

Auf der Internetseite von WestMarine finden wir einen Adapter, der das Problem lösen soll. Ein paar Bronzefittinge, die den US-Befüllstutzen mit der europäischen Flasche verbinden. Aber jetzt sind die 114 US$ eine persönliche Grenze des Skippers, die nicht überschritten werden kann:  Segler sind Bastler, hier gibt es reichlich Ferreterieas und Baumärkte (cooler Name:  „National Lumber“) mit großer Auswahl. Kein Problem, das für einen Bruchteil der Kosten selber zu bauen. Aber nach einiger Zeit intensiver Suche wird uns langsam klar, dass wir die notwendigen Bauteile hier nicht finden.

Dann kommt das letzte Gas aus der letzten blauen Flasche und uns wird sehr schnell klar, dass die Lebensqualität stark negativ beeinflusst wird, wenn man gar keinen Kaffee mehr kochen kann.

Die persönliche 114 US$ Grenze gerät angesichts absehbar notwendiger Restaurantbesuche und der auflaufenden Miete für Auto und Liegeplatz unter Druck. Also bei WestMarine Formulare ausfüllen und den Adapter für einen Obolus von 157US$ inkl. Steuern und Expresslieferung bestellen. Das Überqueren dieser Grenze fällt dann gar nicht mehr schwer. Ein bisschen fühlt es sich an wie Einklarieren, um das nächste „Cooking Permit“ zu erhalten.

Die Lieferzeit beschert uns eine weitere Reise: Raus aus der Marina, wieder segeln und ankern. Ungewöhnlich günstige Winde bringen uns schnell nach Culebra zurück, wo wir uns so wohl gefühlt haben. Die Überquerung der Campinggas Grenze hatte uns vollkommen überrascht. Aber hier, beim Schnorcheln am Riff, erholen wir uns davon, essen vortreffliche belegte Brote und geniessen frischen Salat.

Vor fünf Uhr aufzustehen ist eine persönliche Grenze, die ich oft nicht überquere. Vor allem wenn es dazu keinen Kaffee gibt. Es macht dann keinen Unterschied in der Lebensqualität, ob der Kaffee nicht auf einem Gasherd oder nicht auf einem Elektroherd gekocht wurde.  Aber die Fähre nach Fajardo fährt um sechs und der Gasadapter ist da. Diesmal sind wir gut vorbereitet. Der Taxifahrer ist nett und fährt uns nicht nur zu Westmarine, sondern weiter zur Gasfüllstation. Das Gas überwindet die Grenze dank Adapter weitgehend unspektakulär und bleibt unter hohem Druck in den Flaschen drin.  Von uns hingegen fällt ähnlich hoher Druck ab, die Zeit bis zur Rückfahrt geniessen wir total glücklich.

erfolgreiche Gasbefüllung

Auf der Fähre gelten ähnliche Sicherheitsbestimmungen wie im Flieger, unter anderem dürfen keine Gasflaschen transportiert werden. Heute Nachmittag erweist sich diese Grenze als außerordentlich transparent, denn ausgerechnet unsere beiden Rucksäcke werden nicht mit dem Metalldetektor kontrolliert. Das war Severins Beitrag zu dieser Aktion!

Zurück auf der Sameera kochen wir uns den besten Kaffee der letzten Tage…