Allgemein

Angekommen auf den British Virgin Islands

Antigua, Barbuda, St. Barth, St. Maarten – und nun British Virgin Islands. Das Logbuch-Schreiben ist in den vergangenen Wochen eindeutig zu kurz gekommen…! Um den Faden aber wieder aufzunehmen, nun im Rückblick ein paar Eindrücke unserer letzten Reisestationen:

Antigua

Von Guadeloupe aus bis nach Antigua ist es mit 60 Nautischen Meilen Distanz ein schöner Tagestrip. Natürlich haben wir die Angel ausgeworfen – aber außer Barracuda leider keinen Fisch gefangen. Barracuda ist ein eigentlich köstlicher Fisch, allerdings wird vom Verzehr dieses Fisches dringend abgeraten, da er mit großer Wahrscheinlichkeit mit Ciguatera infiziert ist – einer bakteriellen Erkrankung, die diese „Riffräuber“ über das Erjagen von Korallen-(und darauf befindlichen toxischen Algen) nagenden Fischen in ihrem Körper akkumulieren. Diese Bakterien können im menschlichen Körper eine Nervenentzündung auslösen, die in leichten Fällen Symptome wie Erbrechen und grippeartiges Fieber hervorrufen, in stärkeren Fällen allerdings zu bleibenden Schäden wie gestörtem Heiß-Kalt-Empfinden oder sogar zum Tod führen können. Das verdirbt einem doch jeden Appetit auf den köstlichsten Barracuda…! Aber wie es so spielt: nahezu immer, wenn wir  etwas an der Angel haben, machen wir spätestens beim Herausziehen des Fangs lange Gesichter…. – „Schon wieder ein Barracuda“ – lösen den Haken und entlassen den Fisch wieder ins Wasser. Unser „hauptamtlicher Angelverantwortliche“ an Bord, Gabriel, hadert schon fundamental mit seinem Anglerglück… so viele unterschiedliche Leinen, Köder, Haken, Vorfächer etc. etc. hat er nun schon ausprobiert, so viele Expertengespräche mit anderen Angelenthusiasten geführt – und am Ende ist nix als Barracuda am Haken…  Aber er lässt sich nicht beirren und startet jeden Morgen mit einem optimistischen „Und heute fangen wir eine Mahi Mahi!“ oder „Heute fangen wir einen Yellow-Fin-Tuna!“ etc. etc.

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Überhaupt erleben wir auf unserer Reise das Thema der Überfischung der Meere, über das man sonst evtl. mal vage in einer Greenpeace-Broschüre gelesen hatte, am eigenen Leibe. Es ist kaum zu fassen, wie wenig Fische in diesen unendlichen Wasser-Weiten überhaupt noch unterwegs zu sein scheinen. Was hat der Mensch mit seiner industriellen und rücksichtslosen Fischerei da angestellt – und wird dieser Fischmangel mit all seinen Konsequenzen sich je wieder beheben lassen?

Ausnahme sind fliegende Fische, die gibt es wie Sand am Meer, was uns völlig überrascht hat, da wir diese als absolut exotisches Ereignis erwartet hatten, stattdessen aber immer und überall zu sehen sind. Inzwischen nennen wir sie die „Lemminge des Meeres“, da sie sich todesmutig gegen den Schiffsbug schmeißen oder sogar an Deck springen, sobald  ein Schiff auftaucht…

Nun gut, nach diesem kleinen „Fisch-Ausflug“ zurück nach Antigua. Die Insel ist von riesigen Korallen-Riffen umgeben (auf den Seekarten lapidar mit dem Hinweis auf „numerous coral heads“ kommentiert), man sollte sie daher mit Obacht ansteuern. Unser Ziel „Jolly Harbour“ erreichten wir heile und froh im letzten Tageslicht und ankerten gleich neben der Einfahrt in den Hafen – und in nächster Nähe zu einigen uns bekannten Booten aus der Barbados 50-Flotte. Die kommenden Tage haben wir entsprechend viel Zeit mit unseren Bekannten und Freunden verbracht und viel Seemannsgarn ausgetauscht. Wir mussten hören, dass es einigen „Mitstreitern“ längst nicht so gut ergangen ist wie uns, dass einige die Lust auf die Segelei schon verloren haben, da sie die häufig raue See und stürmischen Winde als sehr belastend erleben, üble Schäden an ihren Schiffen erlitten oder einfach Heimweh haben. Tatsächlich ist es ja so, dass die Wetterverhältnisse – insbesondere auf den Passagen zwischen den Inseln – meist sehr wenig mit der klischeehaft leise plätschernden Karibikspülung zu tun haben; das haben wir ja auch schon feststellen dürfen. Die Klimaveränderung trägt wohl ihren Teil dazu bei, dass das Wetter rauer ist und ungewöhnliche und böige Stürme auftreten. Es gibt sogar schon Prophezeiungen, dass Segeln innerhalb der nächsten Dekaden immer ungemütlicher bis unmöglich werden solle, da die Klima- und Wetterveränderungen immer schneller voranschreiten werden.

Wir sind sehr froh, dass wir jetzt und hier sind, uns das Wetter und überhaupt das gemeinsame Segeln so gut gefällt und dass die Sameera so ein treues, braves Pferdchen ist.

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Antigua in Kurzfassung:  der absolut bleibende Eindruck dieser Insel ist, dass man unbedingt eine Sonnenbrille braucht. Am besten die von Paris Hilton. Denn Antigua ist der Inbegriff von Türkis, von gleißend Weiß und Sonne! So bildschöne Strände haben wir das letzte Mal auf den winzigen Tobago Cays in den Grenadinen gesehen.

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Allerdings ist Antigua definitiv nicht so einsam, verlassen und bescheiden, wie die Grenadinen-Inselchen; viele der Strände sind gesäumt von imposanten Luxusvillen, der gesamte Hafen von Jolly Harbour ist eigentlich eine Luxus-Immobilie, unzählige Traumhäuser mit Anlegestelle für die eigene Yacht vor der Haustür liegen direkt am Wasser – kurz: es stehen einem Augen und Ohren offen.

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Lorenz, Gabriel und Jamie beim Minicat-Segeln, im Hintergrund chice Strandvillen:

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Und in English Harbour liegen die abgefahrensten und größten Segelyachten Seite an Seite am Pier – wir sind dort durch den Hafen lustgewandelt; unfasslich, welche Vermögen hier investiert wurden und werden.

Barbuda

Als absolutes Kontrastprogramm zu diesem Reichtum und Chic Antiguas kann man Barbuda betrachten – es gehört zu Antigua, doch unterschiedlicher können zwei Inseln kaum sein. Wir haben uns mit großer Vorfreude nach Barbuda aufgemacht, da wir gelesen hatten, dass dies „wie das paradiesische Ende der Welt“ sei. Barbuda ist eine flache Anhöhe, erwachsen aus Korallen – und dass es dort pinkfarbene Strände gebe, hatten wir zunächst als Marketing-Gag abgetan. Aber es gibt sie wirklich, wir haben sie mit eigenen Augen gesehen: kilometerlang, einsam und palmengesäumt. Muschel- und Korallenmischung führen zu der besonderen Farbe des Strandes, die rosa Partikel werden auf den ersten Metern am Strand angespült, dahinter liegen unendliche Weiten weißen Sandes.

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Auf Barbuda leben insgesamt nur 1800 Menschen, denen Eigensinnigkeit und Stolz  nachgesagt wird – und ein widerborstig sprödes Verhältnis zu ihrer Hauptinsel Antigua. Alle 1800 Barbudianer leben in der völlig verschlafenen Hauptstadt Codrington – hier wurde der Begriff „Hier hängt der tote Zaun überm Hund“ geprägt…

Der Rest von Barbuda ist der besagte rundum verlaufende Strand

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und eine Fregattvogel-Kolonie, die in Form eines Nationalparks gehütet wird. Den haben wir natürlich besucht – und konnten die besonderen Vögel, die hier munter balzen und brüten, aus wirklich allernächster Nähe betrachten. Fregattvögel sind sehr fragil gebaut, ihre Flügelspannweite beträgt das Dreifache ihres Körpermaßes, und ihre Federn haben keine natürliche Fettschicht, sodass sie sich zur Jagd nach Fischen nicht ins Wasser stürzen können, wie dies andere Vögel tun. Stattdessen verfolgen sie andere jagende Vögel und luchsen denen die soeben erbeuteten Fische ab. Dabei müssen sie Acht darauf geben, nicht ins Wasser zu stürzen, denn das würde ihr Ende bedeuten, da sie mit nassem Gefieder nicht wieder anstarten können. Balzende Fregattvogelmännchen bezirzen ihre Angebeteten mit einem riesigen roten Balg vor ihrer Brust, den sie über lange Zeit aufgeblasen zur Schau stellen, bis eine beeindruckte Fregattdame sich zu ihm gesellt.

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Ansonsten haben wir die Zeit in Barbuda in absoluter Beschaulichkeit genossen – es  ist wahrlich paradiesisch, wenn man tagelang ausschließlich mit Schnorcheln, Spielen am Strand und in den Wellen, Muscheln-Suchen, Sandburgenbauen, Kokosnussknacken und ab und an einem Rum-Cocktail mit den wenigen sonstigen Seglern dort verbringt.

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Als wir an einem der ersten Abende mit den Nelias und den norwegischen Kattami´s am Strand ein Feuer entzündeten, die Dämmerung betrachteten und dabei Stachelrochen beobachten konnten, die meterhoch aus dem Wasser sprangen, schauten wir uns fragend einander an: das hab jetzt nicht nur ich gesehen, oder?

Doch weiter ging´s, denn die Karibik ist ja ganz schön groß – und eben faszinierend vielfältig!

 

St. Barth – wo sich Reiche und Schöne treffen

Als nächstes Ziel hatten wir uns St. Barth gesetzt – schon der Name umweht einen mit Luxus. Und tatsächlich: Gustavia, die Hauptstadt der französischen In-Insel, ist wie eine einzige schicke Boutique. Hier treffen sich die Reichen und Schönen und shoppen bei Cartier, Dolce & Gabbana, Hermes, Rolex und Co. Bei unseren Spaziergängen durch die Stadt haben wir das alles mit Faszination betrachtet – kaum zu fassen, dass Barbuda in seiner Einsamkeit und puristischen Schönheit nur eine Tagereise entfernt liegt! Dabei muss man sagen, dass auch St. Barth landschaftlich sehr schön ist, es gibt dort unzählige Schildkröten, Stachel- und Manta-Rochen, sogar einen 2 Meter großen Engelshai haben wir beim Schnorcheln unter unserem Boot entdeckt (von dem wir vor Aufregung leider kein Foto gemacht haben) .

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Doch der Gesamteindruck der Insel ist eindeutig vom Luxus geprägt.  Das zeigt sich auch in der Nachbarschaft im Ankerfeld: Super-Mega-Yachten ankern direkt neben uns und beeindrucken mit Eleganz, Schiffsgröße, Bediensteten und Underwater-Beleuchtung….

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Bei all dem Luxus, meinen wir, sollte St. Barth sich deutlich mehr um die Qualität der vom Marine Reserve zur Verfügung und verpflichtend zu nutzenden Mooring-Bojen bemühen. Denn zu unserem großen Schrecken ist ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als wir alle 5 zu einem Landausflug gestartet waren, unsere an einer solchen Mooringboje befestigte Sameera „ausgebüchst“ und allein durch´s Mooringfeld getrieben. Der Schrecken, der uns in die Knochen fuhr, als wir loswandernd und eher zufällig über die Schulter auf die Bucht „Anse de Columbiere“ schauend erkannten, dass da ein Schiff – UNSER Schiff! – da haltlos durch das Mooringfeld trieb, ist kaum zu beschreiben. In irrem Tempo rannten wir die Böschung herunter, zerrten unser am Strand liegendes Dinghi ins Wasser, um möglichst bei der Sameera zu sein, bevor diese mit einem der luxuriösen Nachbarboote kollidierte… Glücklicherweise hatten andere Mitsegler das Debakel erkannt und sich umgehend und hilfsbereit mit ihrem Dinghi zwischen uns und das nächste Nachbarschiff postiert und die Sameera „einzufangen“.  Es zeigte sich, dass die Mooringleine am untersten Ende der Befestigung gebrochen war.  Wir danken besonders herzlich Ro, Fergus und Matthias, die absolut geistesgegenwärtig zu Hilfe geeilt waren und größeren Schaden so verhindern konnten! Was für eine Aufregung – und zugleich schön, wieder einmal zu erleben, wie unglaublich der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft unter vielen Seglern ist! Unsere folgenden Nächte waren geprägt von Alpträumen, in denen wir von der Wanderung zurückkommen und einfach keine Sameera mehr vorzufinden ist, weil sie einsam und unbemerkt auf´s weite Meer hinausgetrieben ist. Roland´s Verarbeitungsstrategie bestand eher aus Googeln nach den Schiffen, die die Sameera Gott sei Dank nicht gerammt hat… Eine sehr entlastende und wahrlich beeindruckende Betrachtungsweise des Vorfalls. Gott sei Dank ist inzwischen das Trauma allseits verarbeitet, die Reise geht weiter – und von jetzt an sichern wir jede Mooring zusätzlich mit einem eigenen Seil.

Rettungsaktion an der Sameera:

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Ro und Fergus mit den Mooringresten:

Ro und Fergus mit Mooring - Kopie

Und endlich endlich – Petri heil! Gabriel fischt eine Spanische Makrele:

Gabriels Fang

Sie mundet köstlich.

Heineken-Regatta in Sint Maarten

Jedes Jahr zu Beginn des Monats März findet in St. Maarten (dem holländischen, südlichen Teil der Insel – der nördliche Teil ist französisch, eine friedliche Koexistenz) die legendäre Heineken-Regatta statt, an der in unzähligen Kategorien Segelschiffe aus aller Herren Länder teilnehmen und sich sportlich austoben.

Wir haben uns gegen die eigene Teilnahme an der 37. Regatta entschieden und dafür einen Beobachtungsposten in erster Reihe eingenommen, um das Rennen, die Vorbereitungen der Crews dazu und das Wiedereinlaufen am Nachmittag nach bestrittener Regatta bestens bestaunen zu können.

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Beim Zurückkehren in die Lagune von Simpson Bay ist es Tradition, dass die Regatta-Crews eine „Fun-Jury“ zu beeindrucken versuchen und maximale Punktzahl dafür zu erheischen.

Auf der Heineken-Tribüne:

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Dafür lassen sich die meisten Crews lustige Gags einfallen – Tanzeinlagen an Bord, Kostümierungen und unterschiedlich einfallsreiche Showeinlagen bis hin zu derben Späßen, wie mit runtergelassenen Hosen an der Jury vorbeizufahren (wohl eine niederländische Tradition irgendwie… wurde nicht einst Arjen Robben wegen ähnlichen Verhaltens einst des Feldes verwiesen..?!).

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Wir haben ein paar Tage diese ausgelassene und manchmal irritierende Atmosphäre auf uns wirken lassen, haben nebenher die hier angesiedelten und bestens ausgestatteten Chandleries abgeklappert, um uns für „Kleinreparaturen“ an der Sameera zu wappnen (das ist, wie bei jedem Segelboot, eine Dauerbeschäftigung) und wieder einmal Freunde und Bekannte getroffen.

Ansonsten hat uns St. Maarten landschaftlich überhaupt nicht gefallen. Die Landschaft ist betrüblich mit Unmengen klassischer Bausünden zugepflastert; mit Karibik hat das nach unserem Geschmack nur mehr wenig zu tun. Den absoluten Vogel schießt der legendäre Flughafen am „Maho Beach“ ab: Die Landebahn beginnt direkt hinter dem Strand, der nur durch einen Maschendrahtzaun vom Flughafengelände abgetrennt ist. Beim Anlanden jedes größeren Flugzeuges herrscht am Strand Ausnahmezustand, also regelmäßig: Der Turbinenwind wirbelt tonnenweise Sand auf wie im Wüstensturm, Handtücher kleben am Maschendrahtzaun und weniger standhafte Leute purzeln wie Spielzeugfiguren am Strand entlang. Es ist absurd.

Landeanflug auf Maho Beach:

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Ohrenbetäubend:

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Wir haben uns dieses Szenario kurz vor unserer Weiterreise zu den British Virgin Islands einmal angeschaut. Um dann umso entschlossener aufzubrechen zu unserer nächste Etappe, zu den British Virgin Islands.

BVI (British Virgin Islands)

Die Strecke von St. Maarten bis Virgin Gorda beträgt 80 nm (nautische Meilen); eine Distanz, für die wir uns zu einer Nachtfahrt entschlossen. Diese Passage war wild (denn eine Schlechtwetterfront stand bevor), von riesigen Wellen begleitet und verlief deutlich flotter, als wir es vorausberechnet hatten. Schon am frühen Morgen des nächsten Tages liefen wir – etwas durchgeschüttelt – in die „Sounds of Virgin Gorda“ ein und konnten dort Anker werfen, bevor das Wetter gänzlich zuzog.  Ganz offenbar hatte sich das karibische Wetter für knapp eine Woche in Urlaub begeben, 5 Tage lang fegten Sturmböen und Regenschauer über uns hinweg. Während dieser Zeit herrschte einige Unruhe im Ankerfeld, denn die ankernden Schiffe wurden z.T. abrupt um 360° um ihre Anker gedreht – das bescherte auch uns so einige schlaflose Nächte und leider auch einen ausgerissenen Ankerschäkel:

Ankerschäkel

Mit Mitgefühl beobachteten wir benachbarte Charterboote, die ja ausgerechnet in dieser Schlechtwetterwoche ihren 1-2-wöchigen Segelurlaub verbrachten und nun vor lauter Sturm die Bucht erst gar nicht verlassen konnten. Was für ein Glück, dass zum Ende der Woche sich das Wetter wieder beruhigte und sich in karibische Sonne mit leichter Brise zurück verwandelte.

Nun geht es für uns weiter nach Tortola (ebenfalls zu den BVI´s gehörende Insel), um dort Oma Karla (Roland´s Mutter) vom Flughafen abzuholen und dann mit ihr 2 gemeinsame Wochen zu verbringen. Schon seit Wochen wächst die Vorfreude auf das Wiedersehen – denn normalerweise sehen wir uns in München täglich – und nun ist es schon ganze 7,5 Monate her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.

Tauchparadies Guadeloupe

Guadeloupe sieht von oben betrachtet aus, wie ein großer Schmetterling. Zwischen den beiden „Flügeln“, quasi wie der Schmetterlingskörper, verläuft ein Fluss.  Den haben wir mit unserem Dinghi einmal durchquert, sind also, wie die Kinder folgerichtig sagten, vom „Schmetterlings-Po bis zum Schmetterlingskopf und wieder zurück“  gefahren, durch  von Mangroven gesäumtes Gewässer, entlang am Flughafen von Point-a-Pitre – noch nie waren wir einem landenden Flugzeug so nahe wie dort. Die Brücken sind alle beweglich, bis vor einigen  Jahren wäre die Tour mit unserer Sameera möglich gewesen. Jedoch wurde die regelmäßige Öffnung und Wartung der Brücken 2013 spontan eingestellt. Also brachte uns das Dinghi bis in das flache Sumpfgebiet im Norden der Insel und wieder retour. Einen Reservekanister Sprit für den Außenborder hatten wir natürlich dabei.

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Diese Tour war bei weitem nicht so exotisch, wie die Bootsfahrt durch den Indian River auf Domenica, aber wir haben es trotzdem sehr genossen, auf diesem Wege einmal die Dimensionen der Insel zu erkunden – und das Fahrwerk eines Flugzeugs aus nächster Nähe betrachten zu können…..

Nachdem wir Severin´s 6. Geburtstag ausgiebig zelebriert haben (er hat seinen größten Wunsch – einen Süßigkeiten-Generator ! – von seinen Freundinnen Lia und Nela geschenkt bekommen; auf dem folgenden Bild sieht man die Übergabe:)

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segelten wir am nächsten Tag bis zur Westküste von Guadeloupe bis zur Bucht vor Pigeon Island. Dieses Ziel hatten wir uns aus zwei Gründen ausgesucht: zum einen waren Roland und ich hier vor ca. 18 Jahren schon einmal zum Tauchen (Scuba-Diving) im „Cousteau-Revier“ und hatten es als ein wunderschönes, buntes Riff in Erinnerung. Und es ist tatsächlich immer noch so!

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Zum anderen gibt es genau dort den unseres Wissens nach einzigen Apnoe-Tauchlehrer der gesamten Karibik – und mit diesem hatten Matthias (Nelia), Roland, Lorenz und Gabriel einen Termin zum gemeinsamen Tauchen und zur Einführung in die „Apnoe-Lehre“ vereinbart.

Unter Apnoe-Tauchen versteht man das sogenannte „Free Diving“, also Tauchen ohne Flaschen, stattdessen mit besonderer Atemtechnik (einigen evtl. bekannt aus dem Film „Im Rausch der Tiefe / Deep Blue“). Nachdem Roland und die Jungs eigentlich immer, wenn wir irgendwo den Anker werfen, zur Kontrolle abtauchen, um die Position und den Halt des Ankers zu prüfen (sicher ist sicher), sind sie inzwischen schon einigermaßen routiniert im tief Herabtauchen (bis 17 m) und lange Luftanhalten (entsprechend lange…). Sie haben einfach Feuer gefangen an dieser Art zu Tauchen – und so entstand der Wunsch, diese Fähigkeit weiter zu vertiefen.

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Nachdem wir einige Tage in Pigeon Island verbracht hatten, um das vorgelagerte Riff zu er-schnorcheln und die zahlreichen, dort herumschwimmenden Schildkröten zu beobachten, gab Matthias den Jungs noch speziellen Theorie-Unterricht zum Thema Atmung und Co2-Stoffwechsel im Körper.

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Und dann startete endlich der Apnoe-Tauchkurs mit Antoine (www.an-bo-dlola.fr).

Ich habe selten so von innen heraus „leuchtende“, total erschöpfte, aber euphorisch begeisterte Jungs von einem event zurück kommen gesehen, wie an diesem Abend!

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Mit im Gepäck hatten sie ca. 8 Feuerfische, die sie speerfischender Weise in den Tiefen des von ihnen ertauchten Riffs erfolgreich gejagt hatten.

Feuerfische (Lion fish) sind im Atlantik nicht heimisch und haben hier keine natürlichen Feinde. Sie wurden durch Containerschiffe versehentlich aus dem Pazifik hierher eingeschleust und stellen eine große Gefahr für die hiesigen Riffe und Fischbestände dar. Denn innerhalb allerkürzester Zeit fressen sie ein Riff komplett leer, das Riff droht dann abzusterben. Sie selbst gelten als köstliche Delikatesse, allerdings sind sie extrem wehrhaft und gerüstet bis über die Hutschnur, ausgestattet mit Giftpfeilen, die wie Injektionsnadeln in 3 ihrer fünf Flossen integriert sind. Fischer und Angler sind aufgerufen, Feuerfische möglichst zu töten, allerdings mit größter Vorsicht, da ihr Gift zwar nicht als tödlich, aber als extrem schmerzhaft gilt.

Die Jagd auf diese schönen Biester war also für unsere Apnoe-Taucher ein echt aufregendes Abenteuer – und wie nebenher haben sie nach Erlernen der speziellen Atemtechnik und einigen Stunden Training all das Neu-Erlernte gleich „jagenderweise“, fast mühelos angewendet.

Die Feuerfische landeten am Tag darauf in unserem Ofen – und wir können nur bestätigen: sie sind herrlich zart und köstlich!

Feuerfisch-Auflauf

Besuch von der AIDA

Ende des vergangenen Jahres überraschten uns meine Eltern mit der Nachricht, dass sie eine Kreuzfahrt in die Karibik gebucht haben, um uns auf unserer einjährigen Segelreise besuchen zu kommen. Eine coole und sehr erfreuliche Idee, fanden wir! Da aber Kreuzfahrtschiffe in der Regel um EINIGES schneller reisen, als ein gemeines Segelschiff, hieß dies, dass wir uns für einen ihrer Anlaufhäfen entscheiden mussten, um sie für einen Tag, an dem sie „Landgang“ haben, treffen zu können. Wir entschieden uns für den  Hafen von Pointe-a-Pitre, der Hauptstadt von Guadeloupe, da dies bestmöglich in unsere Route passte.

Da ihr Kreuzfahrtschiff, die AIDA, am 1.2. dort anlanden sollte, mussten wir also Dominica hinter uns lassen, um pünktlich am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Denn schließlich musste das Treffen eine „Punktlandung“ werden; am nächsten Tag würden Oma und Opa schließlich schon uneinholbar in weiter Ferne sein…

Am 31.1. nachmittags warfen wir im Hafen von Pointe-a-Pitre unseren Anker, direkt in Sichtweite zum Cruiseship Dock; unsere Vorfreude war schon groß. Am nächsten Morgen in aller Früh fuhr dann also die AIDA majestätisch in den Hafen ein, direkt an der Sameera entlang.

Lorenz wirft der eintreffenden AIDA mit Oma und Opa drauf ein Küsschen zu:

Lorenz begrüßt AIDA-klein

Wir eilten zum Cruiseship-Dock, um die beiden dort abzuholen und auf unsere Sameera zu „entführen“. Mit im Gepäck hatten die beiden jede Menge gute Sächelchen, die wir per Internetbestellung  noch an sie hatten schicken lassen: Ersatzteile für Kleinreparaturen, neue Tiptoi-Bücher für Severin (er liebt sie!), Schulunterlagen für Gabriel und Lorenz etc. etc.

Den ganzen Tag über haben wir plaudernd und kichernd an Bord verbracht  – von Guadeloupe haben die beiden also leider nicht sehr viel gesehen  – es gab ja sooo viel zu erzählen!

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Vielen Dank an Euch zwei für diesen schönen Tag und ehrenwerten Besuch! Und habt eine wunderschöne Weiterreise!

Dominica´s Dschungel

Nach dem relativ langen Aufenthalt auf dem stark europäisch beeinflussten Martinique brachen wir am 20.01. gemeinsam mit der Nelia auf nach Dominica. Dominica ist seit 1978 ein unabhängiges Land  bzw. zum Commonwealth gehörend  und liegt zwischen Martinique und Guadeloupe. Der Lebensstandard der Insel liegt weit unter dem seiner zu Frankreich gehörenden Nachbarinseln. Man hatte uns im Vorfeld davor gewarnt, dass damit auch die Sicherheit für Segler niedrig sei. Wir haben Domenica jedoch als außerordentlich freundlich, aufgeschlossen und bemüht um die Sicherheit der Touristen erlebt. Die Insel ist die höchste aller Karibikinseln, sehr gebirgig und grün, quasi wie ein einziger Naturpark: viele verschlungene Wanderwege führen durch den Dschungel mit erloschenen Vulkanen, dampfenden Schwefelquellen, rauschenden Wasserfällen – alles in allem eine wilde und weitestgehend unberührte Schönheit. Domenica ist ein wahres El Dorado für Wanderer und hat sich dem Ökotourismus verschrieben – und wir wünschen der Insel sehr, dass dieses Konzept sich durchsetzen kann!

Überquerung eines Flussbettes auf dem Weg zum Wasserfall:

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Baden im Wasserfall:

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Überall auf der Insel kann man noch Spuren der Verwüstung sehen, die der Hurricane „Erica“ im Jahr 2016 angerichtet hat: aufs Land gedrückte Schiffe und Kräne, die wie Mahnmale dort liegen, zerstörte Brücken, komplett verschwundene Straßenzüge – man hat uns erzählt, dass durch Erdrutsche ganze Berge , Seen und Dörfer verschwunden seien, die Tektur der Insel stellenweise komplett verändert sei. Auch auf anderen Inseln hatte „Erica“ heftigst zugeschlagen, aber hier haben wir am bislang eindrücklichsten die Folgen und die Mühen erkennen können, die Schäden wieder zu beheben.

Die Hurricane-Zeit in der gesamten karibischen Region beginnt ab ca. Ende Mai – bis dahin sollten wir also die Karibik verlassen haben….

Diejenigen Schiffe und Boote, die nicht die Region verlassen können, müssen in der Hurricane-Zeit besonders gesichert werden, z.B. in  sogenannten „Hurricane-Holes“, also besonders geschützten Buchten oder im Wurzelwerk der Mangrovenwälder vertäut werden: die Mangroven bieten mit ihren schwimmenden Wurzeln und ihrer flexiblen Struktur dann sozusagen „wiegenden Schutz“ für die Schiffe und Fischerboote der Einheimischen, wenn der Hurricane losprügelt.  Aber noch ist das Wetter milde:  täglich um die 28 Grad Celsius, es weht stets gemäßigter Wind und ab und an gibt es kleine abkühlende Regenschauer.

Gemeinsam mit den „Nelias“ haben wir wunderschöne Ausflüge auf Dominica unternommen, sind durch tiefes Dschungelgrün und über Stock und Stein bis zu Wasserfällen (z.B. Middleham- und Trafalgar-falls ) gewandert, vorbei an riesigen Brettwurzelbäumen, gigantischem Bambus, Farnbäumen und exotisch-leuchtenden Blumen, Ausschau haltend nach Papageien , Kolibri und Leguanen – eine absolut beeindruckende Vegetation und Fauna!

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Im Norden der Insel gibt es den Indian River, einen Süßwasserfluss, der unter Naturschutz gestellt ist. Hier dürfen kleine Boote nur gepaddelt werden – es ist eine majestätische Ruhe, mit der man (wir in der einsetzenden Dämmerung) durch den Fluss gleitet, vorbei an Palmen und beeindruckend knorrigem Wurzelwerk der Bäume.

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Eine Welt zum Staunen:

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Diese einzigartige ursprüngliche Natur muss auch den Filmemachern von „Fluch der Karibik“ ins Auge gefallen sein, sodass einige der Filmszenen auf Dominica gedreht wurden.

Verlassener Drehort im Indian River: Calypsos Hütte aus „Der Fluch der Karibik“:

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Einen besonders schönen Ausflug haben wir gemeinsam mit unseren Bekannten von der „Dana de Mer“ gemacht, die selbst schon einmal für knapp ein Jahr in Dominica gelebt und daher natürlich den einen oder anderen Insider-Tipp auf Lager haben.  Sie haben uns zu Natur-Sulphur-Bädern mitten im Dschungel geführt („Ti Kwen Glo Cho“ in Wotton Waven, GPS: 15° 18`56,5 N; 61° 20‘ 12,0 E). Das ist SPA der besonderen Art!  Becken, Duschen und Wannen in den verschiedensten Temperaturen und Farben (das Wasser kommt aus den nahegelegenen Vulkanen) liegen eingebettet in einen traumhaft angelegten und absolut üppigen Naturgarten mitten im Regenwald – eine Kulisse, die – so unsere Meinung –  jedes noch so schick gestylte Spa oder Designbadezimmer eindeutig in den Schatten stellt. Ein Ort zum Durchatmen und Tiefenentspannen, wenn man so in den verschiedenen Wasserbecken vor sich hin köchelt und dümpelt…..!

Es ist sicher schon heraus zu hören: Dominica ist ein absolutes Traum-Reiseziel, vor allem für Naturliebhaber und Trekking-Fans!!

 

 

Keine Handbreit Wasser unterm Kiel

Nun wissen wir also aus erster Hand, wie wichtig der gutgemeinte Wunsch für allseits einer Handbreit Wasser unterm Kiel tatsächlich ist. Und wie scheußlich es ist, wenn dem mal nicht so ist…

Kaum nämlich, dass wir nach insgesamt 6 Tagen Trockenwerft und umfangreichen Reparaturen, Wartungs- und Pflegearbeiten die Sameera am 17.01.17 wieder ins Wasser haben heben lassen, machten wir uns gleich auf den Weg zur abendlichen Geburtstagsfeier von Angela (Laridae).

Die Sameera in neuem Glanz und frischem Antifouling:

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Die frisch polierte Sameera wird wieder zu Wasser gelassen:

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Wir waren schon voller Vorfreude auf das Wiedersehen und die Party in kleinem Kreise.  Aber eine kleine Unachtsamkeit (zu viel nach anderen tollen Booten geschaut, statt mit voller Konzentration auf die Seekarte / Plotter zu schauen) führte dazu, dass wir mit der Sameera  auf eine Sandbank in der Bucht von Le Marin auffuhren. Oh Gott, was für ein Schrecken, das fährt einem erst mal in alle Glieder! Glück im Unglück war aber, dass es sich bei dieser Untiefe um Sand handelte und nicht etwa um harten Stein oder ein Korallenriff, was ein Leck in das Schiff hätte schlagen können….  Statt eines harten Aufpralls rutschten wir eher mit Schwung auf die relativ weiche Sandbank.  Trotzdem ging durch die Crew zunächst eine kleine Panikwelle, die sich aber nach ein paar Schreckminuten wieder beschwichtigen ließ. Schnell stellte sich heraus, dass wir mit eigener Motorenkraft es nicht schaffen konnten, das Schiff wieder von der Sandbank herunter zu bugsieren; die Sameera lag mit der Backbord-Kufe satt auf und bewegte sich keinen Millimeter mehr. Zudem drückte eine starke Strömung das Schiff tendenziell weiter auf das Riff. Da ist dann guter Rat teuer….

Um das Schiff dagegen abzusichern, fuhren wir mit unserem Dinghi im letzten Licht der Dämmerung unseren Anker nach achtern aus. Bei genauerer Betrachtung der Seekarte wurde uns auch bald klar, dass wir an diesem Abend am besten keine große Befreiungsaktion mehr starten sollten, denn wir waren vom Sandriff förmlich wie ein großes U umgeben, und bei abnehmendem Wasser und in Dunkelheit wäre ein erneutes Auffahren auf das Riff sehr wahrscheinlich gewesen. Also sendeten wir eine Nachricht an die Laridaes, dass wir zur Party leider nicht mehr erscheinen könnten und kochten erst einmal ein Abendessen, um die strapazierten Nervenkostüme  der Sameera-Crew zu entspannen. Dabei grübelten wir, wie wir es wohl schaffen könnten, von der Sandbank wieder herunter zu kommen, ohne dass das Schiff großen Schaden nehmen oder wir Unsummen an ein offizielles Abschleppboot zahlen müssten. An unsere Freunde von der Nelia, die mit ihrem Schiff noch im Hafen von Le Marin lagen und mit denen wir in der vergangenen Woche viel Zeit und gemeinsame Ausflüge unternommen hatten, schickten wir eine WhatsApp – in der wir um Beratung und Trost anfragten.  Leider erreichte sie die Nachricht zunächst nicht. Die Nacht auf der Sandbank war für uns sehr sehr lang – und wir vermissten nahezu schmerzlich das seichte Geschaukel des Schiffes, wie es normalerweise so im Wasser liegend vor sich hinschaukelt. Unser leicht nervöses Innenleben stand zu dieser statischen Ruhe im starken Kontrast….  Die Nacht über  versuchten wir kraft Nachspannen der Ankerkonstruktion, uns weiter gegen die Strömung zu erwehren:

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Am nächsten Morgen bekamen wir dann doch Antwort von den Nelias – und das auch noch früh genug vor dem nächsten Hochwasser um 7:24 Uhr, das einem konzertierten Befreiungsversuch  von der Untiefe eher zuträglich sein sollte. Kurzerhand aktivierte Matthias auch noch Stephane von der Sir Henry 4 und Sebastian von der Maskali (beide ebenfalls Barbados 50-Teilnehmer), die er am Abend zuvor im Hafen getroffen hatte. Allesamt rückten mit ihren Dinghis sogleich an, um uns zu helfen. Zudem eilte Olivier, der ein Nachbarschiff in der Bucht bewohnt und uns schon am Abend zuvor tatkräftig seine Hilfe angeboten hatte, herbei.  Nach kurzer Lagebesprechung waren die Aufgaben verteilt: die insgesamt 4 Dinghis drückten von vorn mit aller Kraft gegen die Bugspitzen der Sameera, während die beiden Motoren auf Vollgas rückwärts fuhren und Roland und ich die beiden Leinen, die wir am Heckanker angebracht und auf die Winschen gelegt hatten, wie die Berserker kurbelten, bis der Leinensaft herausquoll….

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Und dann war es tatsächlich geschafft: die Sameera kam frei!
Eiligst vollführte das ganze Team die vorher besprochene weitere Choreografie: Leinen blitzschnell von der Ankerkette lösen und ins Schiff ziehen, um sie vor den Motorschrauben zu sichern, den Anker zunächst liegen lassend die Passage aus der U-förmigen Sandbank lotsen, die Sameera bis in sichere Tiefe leiten….

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Wir waren so euphorisch – voll Freude, dass die Sameera wieder frei war! Aber vor allem über dieses sagenhafte Gefühl, wie toll es ist, so liebe und hilfsbereite Menschen zu kennen: „That´s what friends are for!“

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Noch vor einem ersten Erholungskaffee und -kakao checkten Roland und Matthias das Unterschiff, ob gravierende Schäden zu erkennen seien. Wir haben Glück gehabt: bis auf eine paar kleine Schrammen im frisch aufgetragenen Antifouling sind wir mit dem Schrecken davon gekommen, alles ist heile! Zugute kam uns bei diesem Abenteuer sicherlich, dass die Sameera grundsätzlich dafür gemacht ist, sie auf den beiden Kufen „trockenfallen“ zu lassen. Beim nächsten Mal machen wir das aber mit mehr Planungsvorlauf; das schont die Nerven ganz wesentlich…..

1000 Dank an alle – und für Eure guten Wünsche…  für allseits eine Handbreit Wasser unterm Kiel (am besten beiden Kielen)!

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Tellerrand

Das heiligabendliche Plätzchen-Backen auf der Sameera mit Clara war erwartungsgemäß eine große Gaudi – das kristallblaue Wasser ringsherum, Palmen und benachbarte Segelschiffe am Horizont verschafftem dem Ganzen ein lustig surreales Ambiente. Nebenher lief Rolf Zuckowski´s obligate  „Weihnachtsbäckerei“; endlich mal zu Weihnachten, denn in den letzten Jahren war das regelmäßig Severin´s „Sommerhit“, den wir nur mit viel Langmut ertragen konnten…. jetzt passte das schon besser, obwohl es ebenfalls warm war. Die bunten Schoko- und Zucker-Verzierungen machten die Plätzchen wirklich märchenhaft verlockend. Dass leider die verwendete Butter einen ranzigen Schlag hatte, tat dem Genuss nur marginalen Abbruch; alle Kekse waren dem zum Trotze noch bis zur Bescherung  vertilgt.

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Wer von Euch, ähnlich unseren Kindern, Sorge gehabt haben sollte, ob das Christkind den Weg bis hierher findet, sei beruhigt:  ja, unter unserem improvisierten Weihnachtsbaum lagen am frühen Abend, als wir vom Strand und dem dortigen „Heiligabend-Rumpunsch“  auf die Sameera zurück kamen, tatsächlich eine Reihe kleiner Päckchen.  Wir hatten eine beschauliche Bescherung unter unserem Palm-Weihnachtsbaum.

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Am nächsten Morgen warfen wir uns „in Schale“, um den Weihnachtsgottesdienst in der kleinen Kirche von Anse d´Arlet auf Martinique zu besuchen.

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Wir waren von der dortigen Herzlichkeit des Pfarrers und den karibischen Rhythmen des musizierenden Chors total begeistert. Die gesamte Feierlichkeit war dadurch sehr fröhlich und es riss alle Gottesdienstbesucher förmlich aus den Bänken – alles swingte, klatschte, jammte.  Wir auch! Lorenz, der ja in München selbst im Jugendchor der Sollner Kirchengemeinde singt, nahm sich vor, einen kleinen Videofilm zu drehen, um diesen seinem sehr engagierten und aufgeschlossenen Chorleiter zu zeigen: „Sowas geht – und können wir sowas nicht my-(mü)-weise nach Deutschland übertragen?“

Ach, das wäre schön, wenn wir ein bisschen dieses Lebensgefühls mit nach Hause bringen könnten – und nicht nur in die Kirche, sondern eben in alle Lebensbereiche…  Wir werden es versuchen, versprochen!

Am zweiten Weihnachtstag lichteten wir den Anker, um wieder nach Süden, nach St. Lucia zu segeln, da uns diese Insel ja sehr gut gefällt und wir sie gern Anne und Clara zeigen wollten.

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Rodnay Bay und Marigot Bay (im Norden von St. Lucia) sind eher touristisch, es liegen dort ultra-beeindruckende Megayachten und schicke Hotels – ein Ambiente, in dem wir uns eigentlich nicht sonderlich wohl fühlen. Nur wenn man sich von dieser first line entfernt, trifft man auf Land und Leute, die wir als authentisch erleben. Und je weiter südlich man sich bewegt, umso „ursprünglicher“ zeigt sich St. Lucia. Nachdem wir in der Marigot Bay (bekannt z.B. als Drehort für „Dr. Doolitte“) Lorenz´ 14. Geburtstag gebührlich gefeiert hatten, machten wir uns also auf, weiter in Richtung Süden.

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Für einen Landausflug landeten wir am 29.12. in einem kleinen Fischerdorf (Canaries) an, das vom Tourismus so gut wie unberührt erscheint. Wir spazierten durch den ärmlichen Ort und wurden von den Bewohnern sehr herzlich empfangen und von allen Seiten begrüßt.

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In der Bäckerei  mit spärlichem, aber köstlichem Angebot entwickelte sich ein Gespräch zwischen uns und einem anderen Kunden. Dieser (Ozo) bot uns an, spontan einen Ausflug per Geländewagen zu einem nahegelegenen Wasserfall gemeinsam mit einem Freund  zu organisieren. Nach kurzer Preisverhandlung wurden wir  uns einig und stiegen in / auf den massigen und kantigen Pickup seines Freundes Avalan. Dass dieser Fahrzeugtyp  für die Überwindung der Strecke absolut notwendig ist, zeigte sich schon bald, als wir in dschungelartiges Gestrüpp auf einer kaum mehr vorhandenen Steinstraße vordrungen, die in frühen Kolonialzeiten angelegt worden scheint. Ein weiterer Freund wurde abgeholt, da er den Weg besonders gut kenne. Dass er – ein Rastaman wie aus dem Bilderbuch – samt einer langen Machete auf die Ladefläche springt, macht uns nur kurzzeitig nervös. Es wird schnell klar, dass ohne dieses Werkzeug der Weg zu dem Wasserfall kaum zu bestreiten sein würde – und dass er (Holstan) ein überaus friedliebender und freundlicher Mensch ist.

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Holstan  gibt Manöveranweisungen für den Fahrer

Mit diesen drei Typen unterwegs zu sein, war eine besondere, tolle Erfahrung – so herzlich und gut umsorgt haben wir uns selten gefühlt.  Sie haben Freude, uns den exotischen Reichtum ihrer Insel nahezubringen, pflücken uns Kakaobohnen und Grapefruits zum Kosten. Man merkt, sie würden aus ihrer Insel gern mehr machen, sind engagiert in Jugendarbeit und organisieren ein regelmäßiges Musikfestival.

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Kakaobohnen-Verkostung auf der Pickup-Ladefläche

Die Stimmung  ist locker und herzlich, die Neugier an der jeweils anderen Kultur und Hintergründen ermöglicht spannende Gespräche. Und gleichzeitig manövriert uns Avalan extrem geschickt und zentimetergenau durch das unwegsame (jetzt weiß ich endlich, was das heißt) Gelände.

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Die letzten 200 Meter laufen wir zu Fuß über rutschige Steine, fliehende Krebse, Lianengestrüpp. Der sich auftuende Blick auf die Schlucht mit lautem Wasserfall ist (so blöd das klingt:) atemberaubend schön – und das Bad / die Dusche unter selbigem eine lustige Wohltat!  Das hat wirklich Dschungel-feeling !

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Das war ein fast trauriger Abschied voneinander, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns wieder treffen, ist doch sehr gering. Wer aber in St. Lucia ist und auch eine solche Tour machen möchte, melde sich unbedingt bei Avalan Joseph auf facebook.

Naja, das Abschieds-Foto sieht aber garnicht traurig aus….

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Inzwischen ist Januar und wir sind wieder in Martinique, da ja Anne, Clara und Norbert von dort ihren Rückflug nach Berlin nehmen mussten.  Herzlichen Dank für Euren Besuch – und ein besonders dickes Dankeschön sagen wir an Norbert, der uns bei jeder noch so herausfordernden Segelsituation mit Rat und äußerst tatkräftig unterstützt hat – im wahrsten Sinne ein „bestman“ (der ja auch tatsächlich unser Trauzeuge ist)!  Schade, dass es für Norbert nicht geklappt hat, mit dem Rauchen aufzuhören – aber immerhin hat die 15-tägige Abstinenz während der Atlantiküberquerung gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist. Vielleicht solltest Du einfach immer segeln?!

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Nun sind wir also wieder wir zu fünft an Bord – eine sehr entspannte Crew schaut mit Vorfreude ins neue Jahr! Denn vor uns liegen noch ganze 7 Monate Reise und jede Menge Traum-Ziele.

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Aber zunächst muss die Sameera wegen eines Schadens am rechten Motor bzw. an der Motorschraube (Saildrive) aus dem Wasser gehoben werden, auf eine sogenannte „Trocken-Werft“ zu Reparatur. Erfreulicherweise sind die Bedingungen dafür auf Martinique in Le Marin, dem sogenannten „Epizentrum des karibischen Segelsports“, ideal. Trockenwerft und sehr gut beleumundete Mechaniker stehen hier für Wartung und Reparatur bereit.

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Und so sind wir Kunerts für insgesamt 6 Tage aus der Sameera ausgezogen und wohnen während der Reparaturen und weiteren Pflegearbeiten am Unterwasserschiff in einem Apartment – sind also vorübergehende  Landratten. Schlafen mit festem Boden unter den Füssen / dem Bett, haben wir festgestellt, geht noch ganz gut. Neben vormittäglicher Schule auf dem Balkon vertreiben wir unsere Zeit mit Ausflügen über die Insel und treffen uns regelmäßig mit Sonja, Matthias, Nela und Lia der „Nelia“, die uns mit der Zeit sehr lieb geworden sind.

Bei einem gestrigen Ausflug waren wir hier auf Martinique in einem gigantischen Supermarkt, in dem es einfach ALLES gab; es gingen einem schier die Augen über. Da musste ich an die Worte der Jungs denken, mit denen wir auf St. Lucia den Wasserfallausflug unternommen hatten: „Es ist ein Riesenmist, dass unsere Insel den Engländern zufiel  – fünf Mal ging das hin und her – aber am Ende gehörten wir zu England. Nun sind wir zwar – nach reichlicher Ausbeute der Insel durch die Engländer – in die Unabhängigkeit entlassen worden, aber wir kämpfen hier um Grundrechte und Auskommen,  die schönsten Landstriche sind von ausländischen Investoren aufgekauft, die normale Bevölkerung aber hat keinerlei funktionierende Gesundheitsversorgung. Wer krank ist, kann nur hoffen, von seiner Familie versorgt zu werden. Schau nur nach drüben, gleich die Nachbarinsel Martinique, wieviel besser ergeht es den Leuten dort…“

Ja, das ist kaum zu glauben, wie eklatant die Unterschiede zwischen den beiden Inseln sind. Hier auf dem zu Frankreich gehörenden Martinique ist der Lebensstandard mit dem europäischen vergleichbar – und die Menschen hier wirken insgesamt sehr viel zufriedener, Armut scheint  die Ausnahme zu sein. In St. Lucia hingegen haben wir erlebt, in welch ärmlichen Verhältnissen die Menschen leben, dass Kinder das Familieneinkommen mit verdienen, die „Schere“ zwischen Weiß und Schwarz bzw. reich und arm ist augenfällig.  Die Rollen sind hier wohl schon kraft Geburt und Hautfarbe zugeteilt.

Das ist etwas, das auch den großen Jungs schon auffällt – und viele Fragen bei ihnen aufwirft. Was kann für St. Lucia verbessert werden? Wie lange kann so offensichtliche Ungerechtigkeit und Ungleichheit gutgehen? Was würdest Du, Mama, als erstes machen, wenn Du Präsidentin von St. Lucia würdest? Welche Gesetze wären hilfreich? Wie würdest Du mit ausländischen Investoren umgehen? Und wie kann Korruption nachhaltig bekämpft werden? Was macht aus Deutschland ein so vergleichsweise fair wirkendes Land? Und weshalb wirkt es viel weniger fröhlich?

So traurig der Auslöser für solche Fragen ist, so freuen wir uns doch sehr darüber, dass eine unserer inneren Visionen für diese Familien-Reise aufzugehen scheint: über den Tellerrand schauen, normal erscheinende Zusammenhänge hinterfragen.

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Welcome in Paradise!

„Welcome in Paradise!“ – mit diesen Worten begrüßte uns der Bootsjunge“Jonny be good“ auf St. Lucia – und wir müssen ihm absolut Recht geben!!

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Mit unserer Ankunft in den Grenadinen hat uns das Karibik-feeling voll erwischt. Von Union Island aus sind wir am 11.12. in die Tobago Cays gesegelt – ein Inselarchipel, das in Sichtweite von Union Island liegt – und kaum dort, hat man das Gefühl, im wahren Paradies angekommen zu sein. Die Inselchen (Baradel, Petit Bateau, Petit Rameau, Jamesby und Petit Tobac – allein die Namen sind entzückend, oder?!) sind unbewohnt, über und über mit Palmen bewachsen, haben leuchtendweiße Sandstrände und außen herum klarstes Wasser, Schildkröten und Riffe. Was will man mehr? Wir haben dort,  gleich neben der Laridae, die uns schon erwartet hat, unseren Anker geworfen ….. und entspannt!  Und geschnorchelt, gebadet, gechillt…

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Aufgrund einer „lockeren Verabredung“ trudelten dann auch bald die „Kirikou“, die „Nelia“ und die „Sir Henri 4“ (allesamt Familienboote der Barbados 50 fleet) ein – Kinderhappening, gemeinsame Riff-Ausflüge, BBQ am Strand und Cocktails an Bord standen auf dem Programm.

Nela und Lia, Lorenz´“Groupies“:

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Cocktailparty / Sundowner auf der Sameera:

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Allein die starke Strömung und Wind waren ein bisschen heftig und rau, sodass wir nach drei Tagen weiterfuhren nach Canouan. Auf dieser Insel lebt eine Riesenkolonie von Pelikanen – die uns am frühen Morgen auch eindrucksvoll mit ihrer gemeinsamen Jagd auf  Fische, ganz in der Nähe unserer Sameera , beeindruckte. Severin war förmlich aus dem Häuschen, da er Pelikane bislang als Fabelwesen wähnte – und ein echter Fan von ihnen ist.

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Seesterne:

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Als  nächstes Ziel unserer Route hatten wir Bequia auf dem Plan – eine kleine, aber üppig-grüne Insel mit farbenfrohen Häuschen im Gingerbread-Stil, bunten Märkten, geruhsamer Hafenbucht, angenehm geschützt vor Wind und Welle. Es gibt einladende Bars und Restaurants, die Bewohner heißen Touristen spürbar willkommen, ohne aufdringlich oder „touristisch“ zu sein. Das Ambiente weckt heimatliche Gefühle, konnten wir feststellen.

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Unser Besuch eines Schildkröten-Santuaries, in dem Babyschildköten geschützt aufwachsen können, bis sie im Alter von ca. 7 Monaten und recht guten Überlebenschancen  in die Wildnis des Atlantiks freigelassen werden oder aber krank aufgefundene Schildkröten gesund gepflegt werden, war besonders schön.

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Weiter ging es – trotz steifer Brise von achtern und Kampf gegen die Strömung im Kanal nördlich von St. Vincent – nach St. Lucia in eine Bucht, die direkt am Fuß des Wahrzeichens der Insel liegt: den steil aufragenden Silhouetten der  Two Pitons, zweier Vulkankegel. Am Abend waren wir dort auf eine Geburtstagsparty eingeladen („Jiyu“) und wurden königlich mit koreanischen Delikatessen von Kelly, Jerome und Mia verwöhnt. Am nächsten Tag (18.12.), nach ausführlicher Erkundung des bunten Riffs gleich neben unserem Boot,

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erkundeten wir die Insel im Rahmen einer geführten und leider – aufgrund eines Missverständnisses – überteuerten Tour. Beim nächsten Mal, so haben wir uns vorgenommen, verhandeln wir vor Fahrtbeginn den Endbetrag und nicht Einzelposten, die verwirrend formuliert sein können….  Aber sei´s drum, das war ein learning – und das warme Schlammbad am Vulkan,  den Besuch des Botanischen Gartens mit tropischem Blütenmeer und die Sulphur-Wasserfälle haben wir auf jeden Fall sehr genossen.

Frühmorgens und bei spektakulärem Regenszenario mussten wir dann am 19.12. nach Martinique aufbrechen, um zeitig dort einzutreffen, denn am 21.12. sollten dort Anne und Clara (Norbert´s Frau und Tochter (14)) am Flughafen in Fort-du-France eintreffen.

Two Pitons im Regen:

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Begegnung mit der AIDA  vor St. Vincent:

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Wenn man in den mildplätschernden und türkisleuchtenden Buchten der Grenadinen die karibische Atmosphäre genießt, vergisst man schon mal leicht, dass außen herum ja der raue, große und oft wilde Atlantik braust. Kaum aber, dass die Sameera die schützende Bucht verlässt, fällt es uns dann immer wieder auf:  upps, da ist er ja wieder, mit beeindruckender Wucht, brausenden Winden und beachtlich großen Wellen….!!  Dann ist es mit der karibischen Gemütlichkeit schnell vorbei und „echtes Segeln“  angesagt.

Aber Sameera und Crew sind inzwischen ein wirklich gut eingespieltes Team, alle Klappen werden dicht gemacht, die Ohren angeklappt – und los geht´s.

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Wir freuen uns immer wieder daran, wie gutmütig und flott die Sameera segelt – sind froh, dass das Geschaukel sich in Grenzen hält – und betrachten mit Faszination, wenn wir in der Nachbarschaft segelnd den einen oder anderen Monohull (also ein Einrumpfboot) sehen, der von den Wellen zuweilen ganz schön durchgeschaukelt zu werden scheint.

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Für uns als Familiencrew sind wir wirklich froh, dass wir auf einem Katamaran unterwegs sind, der nur mäßig in den Wellen „geigt“ und uns erstaunlich viel Platz bietet.  Man hockt einfach nicht zu eng aufeinander –  und unsere „Bewegungsmonster“ finden auch ihre Möglichkeiten, sich auszutoben. Und bei Bedarf ist es auch relativ gut möglich, sich mal aus dem Weg zu gehen.

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Der Bordalltag ist natürlich schon sehr davon geprägt und davon abhängig, dass Routinen und Regeln eingehalten werden müssen, um das Miteinanderleben angenehm zu gestalten. Die leidigen Diskussionen mit den Jungs um „Spüldienste“ und sonstige Gemeinschaftsaufgaben sind schon deutlich zurückgegangen, vieles ist selbstverständlicher geworden und inzwischen eigentlich recht gut eingespielt.  Einzig das Thema „Schule“ (Bordschule findet unter der Woche täglich vormittags bis 13 Uhr statt (mit kleinen Ausnahmen))  läuft von Zeit zu Zeit immer mal wieder „unrund“ und wir Eltern müssen die Arbeitsbegeisterung der Jungs schon heftig herbeireden…. Was uns dabei aber hilft, ist die Erinnerung daran (oder zumindest der Versuch einer Erinnerung), wie hochmotiviert und enthusiastisch wir als Teenager Hausaufgaben und Lernen bewältigt haben… ja uns förmlich darum gerissen haben (hust)…

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Also sagen wir uns immer wieder: Milde walten lassen, geduldig bleiben, aber die Ziele nicht aus den Augen lassen. Wie schön, dass ab heute Weihnachtsferien sind – das genießen wir alle sehr. Seit gestern sind zusätzlich Anne und Clara mit an Bord, um mit uns die Weihnachtsferien zu verbringen und Anfang  Januar Norbert dann wieder mit nach Berlin „zu entführen“. Bis dahin ist der „Füllstand der Sameera“ zugegebenermaßen recht hoch – da wäre Schule an Bord ohnehin sehr schwierig.

Für die kommenden 10 Tage haben wir uns vorgenommen, Landausflüge auf Martinique zu unternehmen, wieder in die Grenadinen zu segeln (vor allem Bequia und die Tobago Cays haben unser Herz erobert!) und in Riffen zu schnorcheln. Für morgen steht das Weihnachtsplätzchen-Backen auf dem Programm, was sich Severin schon seit Wochen wünscht und wofür Clara extra die passenden Zutaten, Verzierungen und Ausstechförmchen aus Deutschland mitgebracht hat. Und dann muss natürlich noch unser Weihnachts-Palm-Baum geschmückt werden. Wir werden es wohl  – in Ermangelung klassischer Weihnachtsdevotionalien an Bord – halten wie „Petterson und Findus“, die ihren Weihnachtsbaum ja auch mal mit allem möglichen, möglichst glänzendem Zeug aus dem Alltagsgebrauch geschmückt haben…

 

Reise zu den Grenadinen

Ab nun heißt es: auf eigene Faust reisen, nachdem sich die Barbados 50 Flotte in alle Himmelsrichtungen verteilt hat! Und nachdem wir endlich unsere US-Visa und Pässe zurückerhalten haben, checken wir flugs aus Barbados aus und segeln Richtung Grendinen.

Die Jungs sind happy ( – und hier sieht man auch, dass Sevi´s erster Wackelzahn ausgefallen ist, die Zahnfee war schon da!)

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Unser erstes Ziel heißt Union Island, das uns mit Freundlichkeit, bunten Farben und karibisch traumhaften Stränden und Riffen, Palmen und Sonne empfängt.

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Wir fühlen uns spontan sehr sehr wohl!

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Auch dieses Motto gefällt uns bestens:

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Zu Gabriel´s großem Glück ist ihm auf der Überfahrt hierher endlich endlich ein ordentlicher Fisch an die Angel gegangen, der auch nicht sofort wieder absprang. Er hatte aber im Angelladen in Barbados auch ordentlich aufgerüstet: von diesen Haken springt kein Fisch mehr…! p1040811-klein

Sein Fang war ein hübscher Barracuda, den wir abends auf dem Grill an Bord formvollendet zelebriert haben! Hmmmm!

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(hier noch auf den lecker Schmaus wartend…!)

Barbados – ein „lautes Zwischenziel“

Barbados war ja nun monatelang „Programm“ für uns, allein schon deshalb, weil so die Atlantikralley benannt ist- und natürlich, weil wir Barbados wochenlang als Wegpunkt auf unserem Autopiloten und als unser inneres Ziel vor Augen hatten.

Dort angekommen, machte sich in uns eine wunderbare Entspannung breit, die ersten Nächte schliefen wir alle wie die Steine, tagsüber genossen wir die karibische Bucht mit herrlich weißem Strand.

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Störend an dieser Ruhe war eigentlich nur, dass Barbados die Angewohnheit zu haben scheint, den ganzen Tag lang mit lauter Dancehallmusik zu feiern und nachts sogar noch lauter vor sich hin zu dröhnen. Die Bucht, in der wir vor Bridgetown lagen, ist teilweise eigentlich als Marine Reserve geschützt, damit dort z.B. die vielen Schildkröten möglichst ungestört leben können. Allerdings mussten wir feststellen, dass deren Unterwasserleben ebenfalls sehr stark von den ständig dröhnenden Bässen und Jetski-Motorgeheul beeinträchtigt ist; auch während des Schnorchelns in der Bucht und den dortigen Wracks war der Lärm wirklich heftig laut zu hören.

Ok, wir dachten zunächst, dass die Feierlichkeiten rund um den Independance-Day dieses Musikgebaren mit sich bringen würde. Aber auch nach den Unabhängigkeitsfestivitäten blieb es so, dass die Carlisle-Bay bis morgens um 4 Uhr verlärmt war. Wir wären deswegen gern möglichst schnell weitergereist zu den karibischen Nachbarinseln. Allerdings mussten wir in Barbados bleiben, bis wir in der US Embassy unseren „Anhörungstermin“ für unsere US-Visa hatten und dann einige Tage später unsere Reisepässe zurückerhalten hatten.

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Unsere Zeit dort haben wir aber trotzdem mit Spaß genossen und versucht, möglichst verschiedene Seiten von Barbados kennenzulernen. So haben wir im Rahmen eines Austauschprogramms die „Mount Tabor Primary School“ besucht, mit deren Schülern Lorenz und Gabriel in den vergangenen Wochen schon fleißig E-Mail-Austausch gepflegt haben. Wir wurden zur „Human chain“ eingeladen und zu einem Schulfest anlässlich des 50. Unabhägigkeitstages von Barbados. Das war sehr lustig und quirlig – und auch hier konnten wir feststellen, dass die Begeisterung für überlaute Musik schon ab frühesten Kinderbeinen an eingeübt wird.

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Wir haben viel Zeit mit den anderen BARBADOS 50-fleet Leuten verbracht, z.B Willkomensparties für die eintreffenden Schiffe gefeiert und eine Abschlussveranstaltung mit Urkundenüberreichung an die Crew-Kinder als „erprobte Argonauten“ gefeiert, kleine Fairwell-Parties in der naheliegenden Strandbar für die dann nach und nach abreisenden Crews.  Wir sind sicher, dass wir den einen oder anderen entweder auf der Karibikreise oder auch später wiedersehen werden, denn es haben sich wirklich sehr inspirierende und fröhliche Kontakte und Freundschaften entwickelt.

Die Kids der barbados 50 versammelt, mit „Argonauten-Urkunden“ und Doina Cornell:

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Lorenz, Gabriel, Severin („Sameera“) und Nela und Lia („Nelia“) mit Segellegende Jimmy Cornell:p1170485-klein

Roland mit Sönke Röver:

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Astrid („Sameera“) mit Karin („Oysterbar“), Louise („Takamoana“)und Jenny („Modjadji“):

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Gabriel beim Angeln:

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Schildkröte und Fische in Carlisle-Bay:

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Wir Kunerts in Oistins am Strand:

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Wolken- und Wetter auf der Atlantikpassage

Die ersten drei Tage der Passage waren von heftigen Wellen „aus allen Richtungen“  geprägt, die -kombiniert mit heftigen Sturmböen – uns das Gefühl gaben, förmlich über den Atlantik Richtung Westen geprügelt zu werden. Hier der Blick zurück auf Mindelo:

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Dann endlich endlich tauchen typische Passatwolken auf – das Wetter beruhigt sich und der Genuss der Atlantiküberquerung beginnt.

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Am 14. November dürfen wir den „Superspezial-Mond“ genießen und fühlen uns ihm ganz nah…

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Hier ein paar Eindrücke von den abwechslungreichen Wolkenbildern auf der Passage

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Hier sieht man, wie sich ein „squall“ (Gewitter) entlädt – Gott sei Dank nicht direkt über uns.

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Aber immer wieder regnet es auch direkt und ausgiebig über uns:

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Und danach werden wir mit tollen Regenbögen belohnt:

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Abendstimmung:

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Morgenstimmung:

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